Mein Freitag

Nur wer weiß, dass er geht, kann seine Worte überlegen

„Morgen ist auch noch ein Tag“, sagt Scarlett O'Hara, als Rhett Butler geht, diesmal für immer, zumindest ist das große Liebesdrama „Vom Winde verweht“ danach aus.

Abschied
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Abschied
Abschied – (c) imago/Westend61 (imago stock&people)

Eine ungewöhnlich selbstbewusste Reaktion, wenn der andere den Abschied bestimmt hat, gehört doch verlassen zu werden zu den hilflosesten Momenten im Leben.

Nur wer weiß, dass er geht, hat viele Möglichkeiten der Inszenierung, kann sich seine Worte überlegen und den Moment, an dem alles gesagt ist. Auch ein beruflicher Abschied ist ein Abschied, wenn auch von völlig anderer Dimension. Die Liebe hat hier nichts verloren, ohne Emotionen bleibt es dennoch nicht. Und der letzte Auftritt wird oft zu dem, der länger in Erinnerung bleibt als vieles, was vorher war.

Neben einem beleidigten „Ich bin schon weg“ und einem zornigen „Es reicht“ gibt es nun also auch ein „Ich finde, es ist genug“, dem unter anderem eine Abrechnung mit einzelnen Personen folgte, nicht alle namentlich genannt. Das war keine Rache, die Reinhold Mitterlehner da übte, das war ein Begleichen von Rechnungen, die für ihn wichtig und augenscheinlich noch offen waren. Gehen zu können, wie man gehen will, gibt einem die Leichtigkeit, die man gebraucht hätte, um zu bleiben.

Keinerlei Leichtigkeit verleiht hingegen der Abschied, mit dem Mütter konfrontiert sind (um hier noch die steile Kurve zum Muttertag am Sonntag zu nehmen). Stehen sie lange selbstverständlich pausenlos zur Verfügung, so müssen sie sich mit dem Älterwerden der Kinder dezent in den Hintergrund verabschieden. Sich nicht einzumischen, bei gleichzeitigem unausgesprochenem Versprechen, im Notfall immer sofort uneingeschränkt da zu sein, erfordert eine kunstvolle Balance. Wie schwierig dies für die eigenen Mütter (gewesen) sein muss, da zu sein und gleichzeitig nicht im Weg zu stehen, erkennt man meist erst, wenn man es selbst erlebt. Auch die alten Kinder können noch was lernen.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

 


[NJLPV]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2017)

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