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Das Loch oder: Zur höheren Ehre hiesiger Baustellerei

Wenn ein Kanalrohr plötzlich kollabiert - Nachrichten aus dem Wiener Untergrund.

Ein Loch? Ein Krater! En miniature zumindest. Polgarstraße.
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Ein Loch? Ein Krater! En miniature zumindest. Polgarstraße.
Ein Loch? Ein Krater! En miniature zumindest. Polgarstraße. – (c) Wolfgang Freitag

Und plötzlich war da ein Loch. Mitten in der Fahrbahn. Was heißt Loch? Ein Krater. En miniature zumindest, 20 mal 30 Zentimeter so ungefähr, aber immerhin groß genug, jemandem ernsthaft Sorgen zu bereiten, der da mit einem Vorder-, Hinter- oder sonst irgendeinem Rad hineingeriete. Von einem Fuß ganz zu schweigen. Denn dieses Loch war nicht einfach nur eine Frage der Asphaltkosmetik: unter der Lücke im Asphalt das pure Nichts, als habe es an dieser Stelle einen Straßenunterbau nie gegeben. Hat es auch irgendwie nicht, doch davon später.

Dass – soweit bekannt – weiter nichts passiert ist, war weniger mangelnder Frequenz an besagter Stelle denn der Position des Lochs zuzuschreiben: Es befand sich tatsächlich mitten in einer der beiden Fahrbahnen der Polgarstraße, Wien Donaustadt, also zwischen den Fahrspuren des zweispurigen und links neben der Fahrspur des einspurigen Verkehrs. Zudem, womit wir zum erfreulichen Teil der Angelegenheit kommen, sah es sich alsbald von einer Bauabsperrung umzingelt, schließlich, ein Loch im Straßenbelag mit nichts darunter und ohne jede Einsicht, wie weit der Fehlbestand im Unterbau noch reichen mochte, das will gesichert sein.

Zur Ehrenrettung hiesiger Baustellerei: In das sommernotorische Baustellenwehklagen lässt sich aus Polgarstraßenloch-Perspektive jedenfalls nicht einstimmen. Kaum war die Problemzone erkannt, war sie auch schon umfassend und sorgsam saniert. Und die zuständige Magistratsabteilung, jene mit der Nummer 28, hatte für mich eine Woche später sogar eine Erklärung für das Asphaltmalheur parat: Unter der Fahrbahn sei ein stillgelegter Hauskanalanschluss eingebrochen. Es ist schon so: Die Vergangenheit holt uns halt immer wieder ein. Und sei's auch nur in Gestalt eines kollabierenden Kanalrohrs.

E-Mails an:wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2017)

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