Stadtbild

Island in the sun, vier Meter über Wiener Gehsteiggrund

Tosen, Brausen – und doch kein Meer weit und breit: über Inselträume auf dem Nestroyplatz.

Bis 16. August nach Voranmeldung zu besuchen: die „Insel“.
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Bis 16. August nach Voranmeldung zu besuchen: die „Insel“.
Bis 16. August nach Voranmeldung zu besuchen: die „Insel“. – (c) Wolfgang Freitag

Dieser Tage fand ich mich mitten in Wien auf eine Insel versetzt. Ich schloss die Augen, und schon hörte ich es nur mehr tosen und brausen, wie es tosender und brausender an den zerklüftetsten Gestaden dieser Erde nicht tost und braust. Doch als ich die Augen wieder öffnete, wurde ich nur allzu rasch gewahr, wo ich mich befand: Auf einer Art Insel, ja, und ja, es toste und brauste auch, nur war es der beständig strömende Praterstraßenverkehr, der toste und brauste, und das Gestade ein Geländer, das mich vor dem Sturz in den Leopoldstädter Abgrund bewahrte.

„Die Insel“ heißt das jüngste Projekt des deutschen Installationskünstlers Christian Hasucha, im Auftrag von „Kunst im öffentlichen Raum“ errichtet: Auf Metallstützen aufgeständert, steht das Eiland da, mitten im urbanen Gewoge und doch zugleich herausgehoben. Wer sich die schmale Treppe hinaufwagt, sieht sich auf grünem Gras in bester Aussichtslage, knapp vier Meter über Gehsteiggrund, und kann den Blick schweifen lassen: zwar nicht ins Ferne, Weite, das ist hier nicht zu haben, doch immerhin über Nestroyhof, U1-Stationsabgänge und dichtgepackte Praterstraßenautokolonnen.

Gut möglich, dass man da ins Sinnieren kommt. Etwa darüber, was städtischer Raum einmal gewesen sein muss, bevor wir ihn mit unserer Automobilität verrammelten. Und darüber, wie sich wenigstens eine Ahnung davon zurückgewinnen ließe. „Stadtluft macht frei“, hieß es einst, lang ist's her, da sich Leibeigene per Flucht in die Stadt ihrer Knechtschaft entzogen. Heute suchen wir Freiheit einzig jenseits der Stadt, im städtischen Inneren längst Leibeigene unserer selbst geworden.

Wer sich seine eigenen Gedanken auf der „Insel“ machen will: Bis 16. August ist nach Voranmeldung Gelegenheit dazu. Terminvereinbarung via Internet unter https://teamup.com/ksq12n5c1b1d89pfmr.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2017)

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