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Im Schritttempo nicht fahren – oder so

Um Neues zu erkunden, muss man nicht weit fahren.

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(c) Kommenda

Kennen Sie zum Beispiel den Alberner Hafen von innen? Haben Sie schon einmal jene großen Gebäude von nahe gesehen, die genau wie einst die Hotels im Spiel DKT ausschauen und nordöstlich der A4 Richtung Flughafen stehen? Oder die Rückseite der halbrunden Lärmschutzwände, die auf dem Rückweg von dort nach Wien von der nahen Abzweigung der S1 künden?

All das, überboten nur noch vom Eintauchen in die Donauauen südöstlich von Wien, bietet eine knapp 70 Kilometer lange Fahrradrunde, die ich mit komoot.de, der angeblich weltweit führenden Outdoor-App, gefunden habe. Nette Idee, so ein Austausch von Empfehlungen für Routen. Einziger Nachteil: Dass alle Strecken erlaubt sind – worauf wir in unserem Klub großen Wert legen –, ist nicht garantiert. Das fällt mir nach dem Start in Erdberg zum ersten Mal auf, als die heruntergeladene Tour kurz von der Donau weg über Eisenbahnschienen führt, wo das Überqueren eindeutig nicht erlaubt ist. Macht nichts: Es ist nur ein kurzes Stück zurück zu einem legalen Übergang. Beim Alberner Hafen steht dann ein Schild „Privatgrund“, das aber nicht zwangsläufig ein Verbot bedeutet. Im Gegenteil: Ein weiteres Schild ebendort weist den Weg zum Friedhof der Namenlosen, den zu besuchen ja erlaubt sein muss.

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"Die Presse" GK

Bei einem Schranken, der die Grenze zu einer Ansammlung von Sommerhäuschen markiert, eine widersprüchliche Anordnung: „Fahrverbot“ oben, „Bitte im Schritttempo fahren“ darunter. Vorsichtig folge ich der Bitte. Wieder ein Stück weiter, wie im Schloss des großen Zauberers Petrosilius Zwackelmann im „Räuber Hotzenplotz“ (Eintritt streng/strengstens/allerstrengstens verboten), die nächste Steigerungsstufe: Privatstraße! Zufahrt nur für Berechtigte! Besitzstörungsklage! Ich nehme einen anderen Weg nach Fischamend und zur Fähre von Haslau hinüber nach Orth an der Donau. Von dort geht es nördlich des Stroms zurück nach Wien – auf dem angeschriebenen Donauradweg.

E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2017)

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