Womit zeichnet man ein Kloster? Mit einem Stift

Der runde Tisch kann auch eckig und der grüne Tisch muss nicht einmal ein Tisch sein.

Symbolbild: Glühbirne
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Symbolbild: Glühbirne
Symbolbild: Glühbirne – (c) REUTERS (DENIS BALIBOUSE)

Wenn man bei einem Kamingespräch sitzt und vergeblich nach dem Kamin sucht, kann man schon ein wenig ins Grübeln kommen. Tatsächlich muss sich die beschauliche Runde, an die man da denkt, nicht vor einer Feuerstelle versammeln. Gemeint ist vielmehr ein informelles Treffen in persönlicher Atmosphäre, bei dem der Eindruck von Hierarchie vermieden werden soll, also alle Teilnehmer quasi gleichrangig sind. Wobei die Herkunft des Begriffs auch damit nur wenig zu tun hat, leitet er sich doch von 30 Radioansprachen von US-Präsident Franklin D. Roosevelt ab, die als „Fireside Chats“ bekannt wurden. In diesen Reden erklärte er unter anderem Japan den Krieg. Gut, der Präsident, der übers Radio ein paar Millionen Amerikanern etwas erzählt, da kann man schon von einem kleinen Kreis sprechen. Apropos rund, ist Ihnen aufgefallen, dass der runde Tisch auch eckig sein kann? Gerade bei größeren Verhandlungsrunden muss man eckige Tische zum Rechteck zusammenstellen, um eine symbolische Sitzordnung ohne Hierarchiestufen zusammenzubekommen.

Wenn wir schon dabei sind, auch der grüne Tisch, an dem immer wieder bürokratische Entscheidungen gefällt werden – etwa die Strafverifizierung eines Fußballspiels – muss nicht grün sein. Weil Verhandlungstische oft mit grünem Tuch oder Leder bezogen waren, hält sich der Begriff aber bis heute. Egal, welche Farbe der Tisch wirklich hat. Und auch unabhängig davon, ob die Entscheidung tatsächlich an einem Tisch gefällt wurde oder zwischen Tür und Angel. Bevor wir uns jetzt aber überlegen, ob man an einem Frühstückstisch auch andere Mahlzeiten einnehmen kann, schalten wir lieber einen Gang zurück. Überschriftenleser haben den Kalauer ja ohnehin schon entdeckt: Also, womit zeichnet man ein Kloster? Mit einem Stift. Ja, auch da kann man schon ein wenig ins Grübeln kommen.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2017)

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