Die Hauspatschengrenze: Von Schuhwurf und Socken

Schuhe ausziehen, das ist in Frankreich nicht Usus. Gute Argumente gibt es dafür - und dagegen. Wo verläuft die Hauspatschengrenze?

Symbolbild: Hauspatschen
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Symbolbild: Hauspatschen
Symbolbild: Hauspatschen – (c) Valerie Voithofer

Der erste Kulturschock kam mit der Türschwelle. Als nämlich die österreichische Familie der französischen die Filzpatschen in die Hand drückte. So hübsch, bequem und – in Salzburg trotz des Spätsommers nicht irrelevant – warm diese auch sind: Schuhe ausziehen, das ist in Frankreich nicht Usus. Im schwiegerelterlichen Haus bleiben meine Turnschuhe an. Dass das im schwieger-schwiegerelterlichen Heim (gibt es eigentlich einen Ausdruck dafür, in welchem Verhältnis die jeweiligen Eltern zueinander stehen?) anders ist, bot jedenfalls gleich ein Gesprächsthema: Wo verläuft die Hauspatschengrenze?

In der arabischen Welt sind Schuhe generell nicht sonderlich gut beleumundet (was spätestens seit dem Schuhwurf auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush gemeinhin bekannt ist), also vermutlich: Schuhe aus. In Spanien zum Beispiel bleiben die Schuhe an, in Schweden nicht. Also das Wetter? Nachdem es in der Bretagne ähnlich viel regnet wie in Salzburg, ist das zumindest keine hinreichende Erklärung. Dass die Lust am Bodenwischen kulturell unterschiedlich verteilt ist, kann man vermutlich auch ausschließen.

Wie auch immer. Für den österreichischen (arabischen und schwedischen) Weg gibt es gute Argumente. Studien zeigen angeblich, dass auf Schuhen mehr Keime kleben als auf einer Klobrille (was übrigens auch für den Bankomaten gilt). Dagegen sprechen Benimmratgeber, laut denen man Gästen nicht wirklich, jedenfalls nicht ohne vorherige Ankündigung, zumuten kann, die Schuhe auszuziehen. Auch unter dem schicksten Anzug lauert bisweilen ein Loch im Socken.

Weil sich meine Liebe zum Sockensortieren in sehr engen Grenzen hält, trage ich übrigens manchmal unterschiedliche. Vielleicht laufe ich deshalb immer öfter mit Schuhen durch die Wohnung. Womöglich passe ich mich aber auch einfach kulturell an den Monsieur an.

E-Mails an: bernadette.bayrhammer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2017)

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