Mein Freitag

Merci, dass es mich gibt

Man sollte sich viel öfter selbst beschenken.

Es gibt Dinge, die bekommt man nur geschenkt. Das dachte ich zumindest. Dann brachte ein Kollege wegen eines kleinen Gefallens Merci vorbei, Sie wissen schon, diese Schokolade, mit der man sich bei jemandem bedankt. Abgesehen davon, dass man sofort die Werbung im Kopf hat („Merciii, dass es dich gibt“), gibt es für den Umgang mit der Packung eine ungeschriebene Regel: Sie muss in der Arbeit geöffnet und geteilt werden. Weil die Sorten einzeln verpackt sind, ist es die perfekte Büroschokolade. Es soll ja eine gewisse Hemmschwelle geben, sich bei fremder Schokolade eine Rippe abzubrechen. Die fällt allerdings, wenn der Besitzer gerade nicht anwesend ist.

Während man sich also plötzlich großer Beliebtheit erfreut (im Büro Schokolade anzubieten, ist ein bisschen wie Tauben füttern) und Kollegen Fachgespräche darüber führen, welche Sorte die beste ist (Mandel-Milch-Nuss) und welche immer übrig bleibt (Kaffee), sagt jemand, dass kein Mensch dieser Welt jemals Merci für sich selbst gekauft hat. „Doch, ich“, sagt eine Kollegin, und wir schauen sie ungläubig an. Das sei noch schlimmer, als Mon Chéri für sich selbst zu kaufen, sagt wer anderer, eigentlich sei das nahezu ausgeschlossen. „Mon Chéri kaufe ich auch für mich“, sagt sie. Während jemand ruft, dass die Kirsche gar nicht aus dem Piemont ist, murmelt irgendjemand, das sei nun wirklich exzentrisch. Merci, dass es mich gibt und so. „Nein“, sagt sie, „ich mag die Schokolade. Alle Sorten.“

Vielleicht sollte man sich grundsätzlich viel öfter beschenken. Auch mit Geschenkkörben. Man sieht sie als Kind in Landgasthäusern, wenn betagte Jubilare vom Bürgermeister geehrt werden, und bleibt lebenslang davon fasziniert. Vielleicht sind die Einzelteile gar nicht so begehrenswert (Litschis in der Dose sind immer dabei), aber die Gesamterscheinung mit Zellophan und allem ist imposant. Statt weiter davon zu träumen, sollte man so einen Korb einfach ohne Anlass bestellen. Für mich, Chérie.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2017)

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