Die Walking Dead von Simmering und Kapfenberg

Warum wird immer wieder ein Fußballspiel zur Beschreibung aktueller Ereignisse ausgegraben?

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Symbolbild – (c) Clemens Fabry

Unsterblichkeit kann mit der Zeit ein bisschen langweilig werden. Besonders, wenn es um unsterbliche Redewendungen geht. Sie wissen schon, wer das erste Mal Herz auf Schmerz gereimt hat, war ein Genie. Spätestens, wenn die Wortkombination allerdings auf Zierpölster gestickt oder als geflügeltes Wort in Schlagertexten auftaucht, sind wir bei den sprachlichen Walking Dead angelangt. Ein solcher Zombie schleicht auch regelmäßig zwischen dem Südosten Wiens und dem Gerichtsbezirk Bruck an der Mur herum – und sabbert jedesmal glücklich, wenn irgendwo jemand eine besonders harte Auseinandersetzung mit dem Fußballmatch Simmering gegen Kapfenberg („Das nenn' ich Brutalität!“) beschreibt. Dieses Spiel der Staatsliga A vom 27. Oktober 1956, das Helmut Qualtinger in seiner Rolle als Travnicek in den Rang des geflügelten Worts erheben sollte, gehört zur Grundausstattung des österreichischen Zitatenschatzes – etwa in einer Liga mit „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“. Kann man schon verwenden, nur ist es halt ein bisschen dings.

Nicht ganz so historisch, aber mittlerweile auch schon auf dem Weg in das sprachliche Reich der lebenden Toten, ist das erstaunte „Kannst du nicht erfinden“, um eine skurrile Auflösung eines wahnwitzigen Sachverhalts zu kommentieren. Immerhin, das vor einigen Jahren so aktive „Wie geil ist das denn?“ hat sich offenbar seiner Sterblichkeit besonnen und verhält sich ruhig. So wie auch „das größte Comeback seit Lazarus“. Sehr präsent im Wahlkampf war zuletzt dagegen „House of Cards für Arme“. Da war (liebe Zitatenjäger, stimmt das?) wohl Christian Kern schon 2016 rund um die Ablöse Werner Faymanns als Kanzler der kreative Wortschöpfer. Ob sich das auch so lange halten wird wie die Brutalität der Simmeringer und Kapfenberger Fußballer? Nun, die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2017)

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