Mein Samstag

Wir sagen euch an

Sie glauben gar nicht, wie schwer es für Kinder zu verstehen ist, dass der erste Dezember und der erste Advent nicht auf einen Tag fallen, sondern sich heuer knapp, aber doch verfehlen.

Dass man zwar am 1. Dezember das erste Türchen vom Adventkalender öffnen, nicht aber die erste Kerze am Adventkranz anzünden durfte, war für das Kind schwer zu akzeptieren: „Wieso ist der erste Advent erst am dritten Dezember?“ Ich kann das gut verstehen, für mich war es als Kind ausgemachte Sache, dass der vierte Adventsonntag und der Heilige Abend fix immer auf denselben Tag fallen. Dass das nur selten (heuer aber!) der Fall ist, war für mich lange kaum zu glauben. Mit dem Adventkalender-Eröffnungstag gestern, dem ersten Adventsonntag morgen und dem ersten Einkaufssamstag dazwischen biegen wir jedenfalls fast in die Zielgerade: Spätestens ab jetzt fallen die besinnlichste und die hektischste Zeit des Jahres wieder einmal auf wundersame Weise zusammen.

Auch das Aufrüsten der Balkone mit einschlägigen Beleuchtungskörpern hat längst begonnen. Wie jedes Jahr sind uns einige Nachbarn im Haus gegenüber davongezogen und haben ihre Balkone längst mit absurd vielen Lichterketten, Sternen und Weihnachtsmännern vollgehängt, es blinkt und leuchtet seit Wochen in die dunkle Nacht hinein und, für das Kind gut sichtbar, zu uns hinüber. Vor ein paar Tagen haben wir auf Drängen des Kindes („Warum können nicht einmal wir die ersten sein?“) auch aufgerüstet und unsere beiden Lichterketten montiert. Die können auf Knopfdruck zwischen unterschiedlichen Leuchteffekten wechseln, die ärgste, fast hysterisch blinkende Variante ist etwa so besinnlich wie die übervolle U6 im Frühverkehr und könnte problemlos auch in einer Großraumdisco zum Einsatz kommen. Gewinner dieses Beleuchtungswettkampfes gegen die uns völlig unbekannten Bewohner der gegenüberliegenden Siedlung ist in jedem Fall die Wien Energie, die uns nächstes Jahr allen eine fette Nachzahlung schicken darf. Denn natürlich gilt auch heuer wieder: Wer als Erster abdreht, verliert.

In diesem Sinne: Einen schönen ersten Advent!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2017)

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