Mein Freitag

Pragmatische Weihnachten

Von undiplomatischen Hexen aus Italien und dem Christkind.

In Italien bringt auch die befana braven Kindern Geschenke.
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In Italien bringt auch die befana braven Kindern Geschenke.
In Italien bringt auch die befana braven Kindern Geschenke. – (c) Ciro Fusco/EPA

Während die Österreicher einen recht strikten Zugang dazu haben, wer am Heiligen Abend die Geschenke bringt (das Christkind natürlich), sind Neffe und Nichte in Südtirol etwas pragmatischer. Sie nehmen nämlich einfach Päckchen von jedem imaginären Absender an. Ihren Brief samt Wunschliste schicken sie eigentlich an babbo natale, also die italienische Version des Weihnachtsmannes. Wenn aber der deutschsprachige Part der Familie während der Feiertage noch ein Päckchen vom Christkind vorbeibringt, wird das genauso akzeptiert. Ab und zu legt offiziell auch noch gesù bambino, also eigentlich das Jesuskind, etwas unter den Christbaum, aber wer fragt schon so genau nach. Kurz kam nur die Frage auf, wer von ihnen eigentlich deutsch und wer italienisch spricht. Zum Glück ging es noch nicht um die Doppelstaatsbürgerschaften.

Bescherung mit Kindern verlangt einem sowieso ein hohes Maß an Selbstdisziplin ab. Beim Auspacken muss man sich beim Christkind (oder der Italo-Version davon) bedanken, während man verstohlen zu den Eltern sieht. Wenn die Kinder wenige Tage nach dem Heiligen Abend auch noch Geburtstag haben, muss man für die bessere Tarnung ein anderes Geschenkpapier verwenden. Oder, in meinem Fall, eine andere „Presse“-Ausgabe.

In meiner Kindheit hat meine ältere Schwester das Problem gelöst, indem sie mir recht schnell die bittere Wahrheit über Weihnachten beigebracht hat. Als Trost blieb mir die befana, eine wenig diplomatische Kollegin von Christkind und Co.: Die italienische Hexe hinterlässt in der Nacht vom fünften auf den sechsten Jänner in Socken, die für sie aufgehängt wurden, entweder Süßes (für alle, die brav waren) oder Kohle (für alle anderen). Nur die Freunde aus den vorwiegend deutschsprachigen Haushalten gingen leer aus. Vielleicht schaut nächstes Jahr dafür gesù bambino bei ihnen vorbei.

E-Mails an: iris.bonavida@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2017)

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