Mein Freitag

Dieses widerliche W auf dem Nummernschild

Das Jahr hat ja schon gut begonnen.

Autos mit Wiener Kennzeichen
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Autos mit Wiener Kennzeichen
Autos mit Wiener Kennzeichen – (c) Erwin Wodicka/Bilderbox

Während der Bürgermeister, der Tourismusdirektor und der Chef der Skischule gar nicht mehr aufhören können, den Urlaubern überschwänglich zu danken, dass sie ihrem Ort zu mehr Reichtum verhelfen, finden nicht alle Einheimischen die winterliche Invasion so super. Vor allem, wenn sie zu Tausenden auf der Piste stattfindet, wo das Neujahrsfeuerspringen der Skilehrer abgehalten wird.

„Scheiß Weana“, empört sich ein junger Tiroler, der den Kindern wütend untersagt, vor ihm zu stehen. Sie reichen ihm zwar nur bis zur Brust, aber er war früher da und möchte das mit der Pole-Position auch belohnt wissen. Die Dreckswiener mit ihren Drecksautos und ihrer Dreckssprache glauben auch, sie können sich alles erlauben. Deshalb räumt auch der Schneepflug die Straße so, dass das Auto mit dem widerlichen W auf der Nummerntafel vorn und hinten mit einer Schneewand einbetoniert wird. Happy New Year!

Während der Tourismusdirektor seine Neujahrswünsche mittlerweile auf Chinesisch wiederholt, räumen die Städter gekränkt das Feld. Der Wiener wird geliebt wie die Krätze, mit deutlichem Westgefälle zudem. Wenn es wenigstens innerhalb Wiens anders wäre, aber hier liebt man einander ja auch nicht. Welch Unterschied etwa zu den Oberösterreichern, die sich über ihre Herkunft immer wieder aufs Neue freuen können. Die mag auch der Wiener gern, die Oberösterreicher, aber auch den Tirolern sieht er in der Stadt vieles nach, sogar wirres Spurwechseln, für das er etwa einen Gänserndorfer lynchen würde.

Aber weil der Wiener gar nichts kann, außer deppert reden, wird ihm die Bindung im Skiort auch nicht so eingestellt, wie es dem Können in seiner Selbsteinschätzung entspricht, sondern so, wie man es einem Wiener eben zutraut (maximal mäßig). Dann geht die Bindung auf, der Wiener stürzt und leidet, dabei tut ihm doch am meisten weh, dass seine Liebe zu Tirol zu den großen unerwiderten des Lebens gehört.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2018)

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