Der Grund, warum früher wirklich alles besser war

Die Komplexität der Welt lässt sich leider nicht in einem knackigen Einzeiler zusammenfassen.

Heute darf man das ja nicht mehr sagen. Aber was mit diesem Satz beginnt, endet meist nicht gut.
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Heute darf man das ja nicht mehr sagen. Aber was mit diesem Satz beginnt, endet meist nicht gut.
Heute darf man das ja nicht mehr sagen. Aber was mit diesem Satz beginnt, endet meist nicht gut. – (c) Clemens Fabry

Heute darf man das ja nicht mehr sagen. Aber was mit diesem Satz beginnt, endet meist nicht gut. Ebenso wenig übrigens wie mit der Feststellung, dass früher alles besser war. Die ist nämlich, sagen wir, ein wenig undifferenziert. Und in ihrer Absolutheit vermutlich nur bedingt geeignet, die Komplexität der Welt in einem knackigen Einzeiler zusammenzufassen. Gut, früher, als alles noch besser war, hätte man diesen Satz vielleicht noch stehen lassen und mit zustimmendem Nicken quittieren können. Doch heute darf man das ja gar nicht mehr sagen. Schade, eigentlich.

Denn natürlich war früher alles besser. Damals war man – ganz abseits statistischer Kennzahlen dieser Zeit – nämlich noch jünger, war womöglich in der besten Phase seines Lebens. Am aufsteigenden Karriereast, gesundheitlich besser beisammen oder vielleicht gerade frisch verliebt. Klar, dass man irgendwann damit beginnt, wehmütig zurückzublicken auf die Zeiten des problemlosen frühen Aufstehens nach einer langen Partynacht, auf jugendlichen Leichtsinn und volles Haupthaar. Als die Frage noch war, was wird man alles noch erleben und nicht, was hat man eigentlich alles verpasst? Aber kann das persönliche Erleben, dass man es als jüngerer Mensch vielleicht leichter oder unbeschwerter hatte, auf den Rest der Welt umgelegt werden? Und wird das persönliche Gefühl besser, indem man missmutig alte Zeiten heraufbeschwört? Außer dass man irgendwann als alter Grantler dasteht, wird sich nicht viel ändern. Maximal, dass diejenigen mit den neugierig geöffneten Augen dann vielleicht noch weniger Zeit mit einem verbringen möchten, weil die Lobpreisungen der Vergangenheit und das Schwarzmalen der Gegenwart ihnen auf die Nerven gehen. Man darf das heute ja gar nicht mehr sagen, aber so sind die Zeiten nun einmal. Früher hätte es das nicht gegeben.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2018)

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