Na gut, meinetwegen entschuldige ich mich halt

Sollte ich mit meiner Kolumne jemandem zu nahe getreten sein, ist er vermutlich im Weg gestanden.

Gebt's euch die Hand und seid's wieder gut! Es war die Scham, die Eltern als Vermittler gebraucht zu haben, um einen Streit zu beenden.
Gebt's euch die Hand und seid's wieder gut! Es war die Scham, die Eltern als Vermittler gebraucht zu haben, um einen Streit zu beenden.
Gebt's euch die Hand und seid's wieder gut! Es war die Scham, die Eltern als Vermittler gebraucht zu haben, um einen Streit zu beenden. – (c) Clemens Fabry

Gebt's euch die Hand und seid's wieder gut! Es war die Scham, die Eltern als Vermittler gebraucht zu haben, um einen Streit zu beenden. Der gesenkte Blick auf beiden Seiten war das äußere Zeichen, dass das eigentliche Problem vielleicht ohnehin schon gelöst war. Dass es aber noch nicht dazu gereicht hat, dass einer so etwas wie eine Entschuldigung gemurmelt hat. Vielleicht auch das nur mit einer elterlichen Motivation: Sag, dass es dir leid tut! Geht das? Lässt sich ehrliches Bedauern mittels eines Imperativs tatsächlich auslösen? Und tut es wirklich leid oder ist es nur die Gelöbnisformel, mit der man wieder in Ruhe gelassen wird?

Es tut mir leid, aber „es tut mir leid“ wird heute vor allem verwendet, um einer harschen Kritik eine freundliche Relativierung voranzustellen. Es tut mir leid, aber du bist ein Trottel, so auf die Art. Entschuldigung, aber das ist Blödsinn, mag jetzt jemand einwerfen. Und damit genau denselben Mechanismus bedienen. Die demütige Bitte um Vergebung ist zum Stilmittel geworden, die gelegentlich sogar noch einen verbal ausgestreckten Mittelfinger mit sich transportiert. Na gut, dann entschuldige ich mich halt, ihr Nervensägen. Und dann mache ich weiter wie bisher. Natürlich, einen Fehler einzugestehen ist nicht einfach – nicht umsonst wird die Schuld immer wieder dem Fehlerteufel untergeschoben, einem rhetorischen Fabelwesen. Aber es gibt auch noch die Entschuldigung, die deswegen nicht ehrlich wirkt, weil sie relativiert wird. Sollte ich mit meiner Aussage jemanden verletzt haben, entschuldige ich mich dafür, zum Beispiel. Darin steckt nämlich, dass man die Aufregung gar nicht versteht, aber vorsorglich sorry sagt, um die Meute zu beruhigen. Hm, so ernst hätte die Kolumne eigentlich gar nicht werden sollen . . . Aber gut, sollte ich Ihnen damit zu nahe getreten sein, sind Sie vermutlich einfach im Weg gestanden.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2018)

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