Mein Montag

Die geheimen Codes an der Supermarktwursttheke

Strippende Semmeln sieht man selten, und doch werden sie immer wieder als nackt bezeichnet.

Da bestellt man für die Kollegen im Büro drei Schinkensemmeln und sagt dann gedankenverloren „und drei extra“. Während die Verkäuferin schon beginnt, drei Semmeln aufzuschneiden und nach der Extrawurst zu greifen, kommt der Aufschrei. Nein, separat!
Da bestellt man für die Kollegen im Büro drei Schinkensemmeln und sagt dann gedankenverloren „und drei extra“. Während die Verkäuferin schon beginnt, drei Semmeln aufzuschneiden und nach der Extrawurst zu greifen, kommt der Aufschrei. Nein, separat!
Da bestellt man für die Kollegen im Büro drei Schinkensemmeln und sagt dann gedankenverloren „und drei extra“. Während die Verkäuferin schon beginnt, drei Semmeln aufzuschneiden und nach der Extrawurst zu greifen, kommt der Aufschrei. Nein, separat! – (c) APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

Zwei mal fünf, zwei mal acht, einmal die Raute. Wird man mit diesen Worten in einem Fast-Food-Lokal am Gürtel begrüßt, hat die Körpersprache die entscheidende Frage längst gestellt. Und die Person hinter der Theke am zappeligen Betreten und dem verzweifelten Blick auf Anhieb erkannt, dass man nur die Kundentoilette benutzen möchte. Die Begrüßungsformel ist in diesem Fall der geheime Code für das Zahlenschloss auf der Klotür, aber das haben Sie vermutlich ohnehin schon erkannt.

Derartige Schnitzeljagden à la Dan Brown durchziehen unseren Alltag. Und bieten auch reichlich Platz für Missverständnisse. An der Supermarktwursttheke, zum Beispiel. Da bestellt man für die Kollegen im Büro drei Schinkensemmeln und sagt dann gedankenverloren „und drei extra“. Während die Verkäuferin schon beginnt, drei Semmeln aufzuschneiden und nach der Extrawurst zu greifen, kommt der Aufschrei. Nein, separat! Der geheime Code könnte bedeuten, drei weitere Schinkensemmeln in ein eigenes Sackerl, drei Extrawurstsemmeln oder drei nackte Semmeln – wobei nackt eigentlich der falsche Begriff ist, die anderen sind ja auch nicht angezogen, sondern gefüllt.

Bei anderen Produkten kommt nackt ohnehin weniger häufig vor – gut, das Schälen einer Orange hat mit einem Striptease auch nur bedingt etwas zu tun. Abgesehen davon würde man auch befremdlich angeschaut, würde man eine Banane schälen, die Schale zurücklegen und nur die Frucht auf das Kassenband legen. (Wo sollte man auch auf einer nackten Banane das Preisschild anbringen?) Immerhin, ein Code ist im Supermarkt so verbreitet, dass ihn wirklich niemand mehr missverstehen kann. Wäre auch unangenehm, wenn man plötzlich den gesamten Inhalt der Wursttheke eingepackt bekäme – nur, weil man auf die Frage „Darf es noch etwas sein?“ mit „Danke, alles“ geantwortet hat.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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