Sport-Club

Wo Eichhörnchen einander jagen und der Specht klopft

Meist muss es schnell gehen. Rein in die Laufschuhe und raus aus der Wohnung. Es geht im Laufschritt durch die Häuserschlucht – vorbei an Hunderten parkenden und Tausenden (stinkenden!) fahrenden Autos.

Dann heißt es zum x-ten Mal Stopp! Denn die nächste Fußgängerampel ist rot. So sehen meine Laufrunden in Wien (zumindest bis ich mich zum Donaukanal oder in den Park vorgekämpft habe) normalerweise aus.

Zuletzt habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht und mir mehr Zeit für einen Laufausflug genommen. Es ging in den Pötzleinsdorfer Schlosspark im 18. Bezirk. Er ist mit der Straßenbahn 41 einfach zu erreichen. Der Parkeingang befindet sich gleich neben der Endstation. Spätestens, wenn man das schwere Gittertor aufmacht, hat man den Großstadtdschungel hinter sich gelassen. Die Vögel zwitschern schon beim Parkeingang lauter, als die Motoren der weit entfernten Autos brummen. Schon nach den ersten Metern hört man den Specht gegen den Baum klopfen. Der Laufweg (auf dem derzeit noch ziemlich viel Streusplitt liegt) führt einen vorbei an kleinen Teichen und hinein in den dichten Wald. Dort kann man Eichhörnchen bei ihren Verfolgungsjagden zuschauen. Die Wege im Park sind teilweise ziemlich steil. Wer das nicht mag, der sollte (mehrmals) kleine Runden drehen. Dafür sollte man sich zuerst immer rechts halten und beim zweiten Teich den Weg zurück einschlagen.

Das Vogelgezwitscher, das Spechtgeklopfe und die Eichhörnchen können über eines aber nicht hinwegtäuschen: Man befindet sich immer noch in einem Park. Das erkennt man spätestens dann, wenn man auf der Wiese die Attikastatuen des 1881 ausgebrannten Ringtheaters oder zwischen den Bäumen das Schild „Vorsicht! ZECKEN!“ entdeckt. In der freien Wildbahn sieht man das doch eher selten. Auch einen Frauenpfad habe ich dort noch nie gesehen. Im Pötzleinsdorfer Schlosspark läuft man an Info-Tafeln zur Geschichte von Frauen vorbei. Stehen geblieben bin ich nicht. Dafür musste es auch diesmal leider zu schnell gehen.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wo Eichhörnchen einander jagen und der Specht klopft

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.