Mein Samstag

Gefangen im Labyrinth

Wir sind gerade im Storycards-Fieber. Kennen Sie Storycards? Dabei lesen die Mitspieler eine Geschichte – in unserem Fall von den drei ??? (Ja, die gibt es noch!) – auf spielkartengroßen, äh, Karten und am Ende jeder Karte wählt man zwischen zwei Optionen und entscheidet so mit, wie das Abenteuer weitergeht.

Etwa: Sollen Peter, Justus und Dings (wie der Dritte heißt, vergesse ich immer) nach links abbiegen? Dann geht es weiter mit der blauen Karte Nummer 5. Oder nach rechts? Dann die Karte 8. So in der Art.

Klingt gut, oder? Theoretisch ja. In der Praxis zieht sich das Ganze etwas in die Länge, was hauptsächlich an der achtjährigen Mitspielerin liegt, die am Ende jeder Karte mehrere Minuten intensiv und so, als hänge die Zukunft des Landes davon ab, überlegt, für welche Möglichkeit wir uns entscheiden sollen. Da man als Erwachsener nicht mehr ganz so intensiv in so ein Abenteuer hineinkippt, werde ich nach wenigen Minuten ein bisschen unrund, weil die drei ??? wegen der mangelnden Entscheidungsfreudigkeit des Kindes wieder in irgendeiner Ecke irgendeines Labyrinths, in das sie auf der Suche nach irgendeinem Buch geraten sind (Sie sehen, ich habe gut aufgepasst), feststecken. So geht es gefühlte drei Stunden dahin, und in mir steigt der Verdacht auf, dass uns die Storycards permanent im Kreis schicken: Denn die Protagonisten jagen entweder einer seltsamen Gestalt hinterher, verlaufen sich oder müssen sich aus einem einstürzenden Gang retten, ehe sie eine Gestalt entdecken, vom Weg abkommen und fast in einem einstürzenden Gang . . . Dem Kind aber macht diese Redundanz nichts, im Gegenteil, ich vermute, es wählt absichtlich immer jene Option, die uns länger in den Gängen verweilen lässt. Falls uns das Abenteuer je zu fad werden sollte (die Ermüdungserscheinungen sind bisher nur einseitig aufgetreten), gibt es weitere Storycard-Abenteuer. Eines heißt „Spuk im Schloss“, auf der Packung sieht man die drei ??? und ein Gespenst. Wahrscheinlich fliehen dabei die drei Jungs vor selbigem, verlaufen sich und geraten in Gänge, die gleich einstürzen.

Ist aber wirklich nur ins Blaue geraten.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Gefangen im Labyrinth

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.