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Stadtlust

Wo man in Wien Fröschen, Buntspechten und Eichenprozessionsspinnern über den Weg läuft.

Wiener Prater
Wiener Prater
Wiener Prater – (c) Clemens Fabry

Es zieht mich derzeit unweigerlich ins Grüne – raus zum Heurigen, rauf auf den Berg und rein in den Wald. Die Stadtlust, die ich über die vergangenen Wien-Jahre kultiviert habe, hat mich (vorübergehend?) verlassen. Zu heiß, zu grau, zu stressig fühlt sich die Hauptstadt an.

Wobei die Welt (eigentlich die Stadt) manchmal schon ein paar Meter abseits der gewohnten Wege ganz anders aussieht. Das habe ich im Wiener Prater festgestellt. Dutzende, vielleicht sogar hunderte Male bin ich die asphaltierte, etwas eintönige Hauptallee auf und ab gelaufen. Und nie habe ich mich jenseits der ausgetretenen Pfade gewagt. Diesmal war es so weit. Ich habe vom Ernst-Happel-Stadion kommend die Hauptallee nur gequert und bin in den Wald gelaufen. Hier beugen die Bäume ihre Äste ins Wasser, die Buntspechte klopfen gegen das Holz und die wenigen Läufer, die hier joggen, grüßen einander (zugegebenermaßen nicht immer, aber meistens). Entlang des Oberen Heustadelwassers ging es unter der Südosttangente geradeaus weiter bis zur Hauptallee. Diese quert man erneut, um auf der gegenüberliegende Seite um das Untere Heustadelwasser zu laufen (siehe Grafik). Derzeit ist das eine gefährliche Gegend. Mit den Worten „Eichen sollst du weichen“ wird auf Schildern vor den giftigen Eichenprozessionsspinnern gewarnt. Die Gelsen habe ich allerdings als größere Gefahr empfunden. Der verlassene Waldweg führt über die Aspernallee bis hin zur Wallfahrtskirche Maria Grün und weiter in Richtung Krebsenwasser. Begleitet von Vogelgezwitscher und Froschgequake läuft man entlang des Mauthner- bzw. des Lusthauswassers bis zum Lusthaus und von dort durch den Wald oder die Hauptallee zurück zum Ausgangspunkt.

Nach diesen 8,5 Kilometern im Grünen bin ich bei der U2-Station „Stadion“ in die U-Bahn gestiegen und war wenige Minuten später im Stadtzentrum. Diese Vielseitigkeit lässt die Stadtlust wieder wachsen.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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