Meister Petz kann man sich nicht aufbinden lassen

Wer seinen Bärendienst abgeleistet hat, darf ruhig auch einmal stepptanzen gehen.

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Fragen Sie nicht warum, es gibt keinen bestimmten Anlass. Aber reden wir doch einmal über Bären. In Märchen und Fabeln wird er ja gerne Meister Petz genannt. Das kommt von einer Koseform des Namens Bernhard (Petz, nicht der Meister). Und der setzt sich wiederum aus dem Althochdeutschen bero (Bär – Überraschung!) und hart (stark) zusammen. Ob Bernhard Stepptanz mag, ist nicht überliefert, aber Bären sollen dabei schon öfter beobachtet worden sein. „Da steppt der Bär“, Sie wissen schon, kommt wohl von den mittelalterlichen Jahrmärkten, auf denen Bären vorgeführt wurden, die auf Tanzen abgerichtet waren. Wie elegant das damals ausgesehen hat, versteckt sich in der Redewendung, dass man tanzt wie ein Bär – eher unbeholfen. Zur Perfektion bringt es allerdings, wer wie ein Bär schläft. Tief und fest wie ein Murmeltier – wobei das nicht ganz gerecht ist, immerhin hält ein Murmeltier einen Winterschlaf, ein Braunbär dagegen nur Winterruhe. Gut, so genau muss man es nicht nehmen.

Aber reden wir nicht vom Schlafen, wir sind ja noch im Dienst. Apropos, einen Bärendienst kennen wir ja auch noch – wenn jemand durch seine Hilfe mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Diese Redewendung kommt aus einer Fabel von Jean de La Fontaine, in der ein alter Gärtner und ein Bär sich anfreunden. Und als der Bär eine Fliege, die auf der Nase des schlafenden Gärtners sitzt, mit einem Steinwurf verscheuchen will, tötet er beide, die Fliege und den Gärtner. Aber kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass ich Ihnen einen Bären aufbinden will. Das stammt von ganz woanders – nämlich vom germanischen „bar-“ mit der Bedeutung „tragen“, das wir heute etwa noch in Wörtern wie „Bahre“ oder „fruchtbar“ finden. Irgendwann wurde das in der Volksetymologie auf den Bären umgedeutet. Dass Menschen, die einen Bären aufgebunden bekommen haben, als bärtig bezeichnet werden, ist allerdings nur ein Gerücht.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2018)

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