Kampf dem Essensmüll: Zu gut zum Wegschmeißen

Der Schlüssel für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten muss in der Müllvermeidung liegen.

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Nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Natürlich ist das Sammeln und Wiederverwerten von Plastikflaschen löblich und sinnvoller, als sie einfach in den Restmüll zu werfen, auf dass sie vergraben oder verbrannt werden. Eine Leserin schrieb mir in Reaktion auf meine jüngsten Einwürfe zum Problem unserer Abhängigkeit von den Kunststoffen, dass mittlerweile der Wirkungsgrad mancher moderner Recyclinganlagen bereits sehr hoch sei.

Dennoch denke ich, dass der Schlüssel für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten in der Müllvermeidung liegen muss. Womit wir bei einem Thema sind, das mich seit meiner Kindheit beschäftigt: Lebensmittelverschwendung. „Denk an die armen Kinder in Afrika“ waren einst mahnende Worte, mit denen man versuchte, uns das ethische Problem des Wegschmeißens ungeliebter Pausenbrote zu illustrieren. Heute noch kann ich kein Stück Brot wegwerfen. Aber was kann man vorausplanend tun, um den Lebensmittelmüll zu verringern? Ich denke, oft sind es kleine Tricks der guten Haushaltsführung, etwa die Einsicht, dass man die Hälfte vom frischen Brotlaib lieber gleich einfriert, wenn man ihn nicht rasch komplett verzehren kann. Abseits davon erfüllt eine App mich mit Zuversicht (und die Mägen meiner Familie mit allerlei Delikatem), die mir ein Freund hier in Brüssel neulich empfahl. Sie heißt „Too Good To Go“ und ermöglicht es Restaurants und Gastwirten, übrig gebliebene Speisen, die am nächsten Morgen nicht mehr verkäuflich, zur Sperrstunde aber einwandfrei sind, gegen großen Rabatt online zu bewerben. Man reserviert morgens und kommt zum vereinbarten Zeitpunkt mit dem eigenen Behälter, um sich das Essen zu holen. Auf diese Weise haben wir schon rotes und grünes Curry, Lammeintöpfe, Brathühner und andere Spezereien zu Spottpreisen erstanden (und mir blieb das Kochen erspart). Gewiss, auch das ist nur ein kleiner Schritt – aber besser, als dieses gute Essen im Mistkübel landen zu sehen.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2018)

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