Was Ihr Sofa denkt, wenn Sie „Kusch“ zu ihm sagen

Welche sprachlichen Verwandtschaften hinter einem gepolsterten Sitzmöbel stecken.

Welche sprachlichen Verwandtschaften hinter einem gepolsterten Sitzmöbel stecken.
Welche sprachlichen Verwandtschaften hinter einem gepolsterten Sitzmöbel stecken.
Welche sprachlichen Verwandtschaften hinter einem gepolsterten Sitzmöbel stecken. – (c) Clemens Fabry

Der Begriff Couch ist eine beliebte Variante, sich einen Monat schönzureden, der vor allem aus Nebel und dem Krächzen von Krähen (warum sagt man eigentlich nicht, dass Krähen krähen?) besteht. Sie wissen schon, auf dem Sofa eingewickelt in eine Decke ein Buch lesen oder Netflix schauen. Wer weniger Sinn für herbstliche Romantik hat, kann sich in solchen Momenten zumindest Gedanken darüber machen, warum das Sitzmöbel eigentlich so heißt, wie es heißt. Nun, wenn wir bei Sofa bleiben, bewegen wir uns in wärmere Gefilde und finden uns bei „suffa“ wieder, was im Arabischen für eine Art Vorraum gestanden ist, in dem man sich niederlassen konnte. Im Französischen wurde der mit Teppichen ausgelegte Ruheplatz zum „sopha“, das es als gepolstertes Sitzmöbel mit Rücken- und Armlehne bis ins Deutsche und in schwedische Möbelhäuser schaffte.
Wobei man heute ja eher Couch als Sofa sagt, oder? (Chaiselongue lassen wir sowieso gleich aus, oder verwendet das noch irgendjemand?) Nun, der Begriff Couch kommt, wenig überraschend, aus dem Französischen – „se coucher“, sich niederlegen, steckt da zum Beispiel auch drin. (Die Franzosen haben sich dafür übrigens aus dem Lateinischen bedient, wo „collocare“ für hinsetzen oder niederlegen steht.) Und wenn wir schon dabei sind, der Ausruf „Kusch!“, mit dem man Hunde zum Hinlegen und Menschen eher schroff zum Schweigen bringen möchte, hat die gleichen Wurzeln. Aber damit es nicht so negativ wird, wenden wir uns doch einmal der Intensivbildung, also einer Verstärkung des Kuschens im Sinne des Hinlegens, zu. Dann landen wir nämlich beim Kuscheln und damit beim Anschmiegen an etwas (die Decke, zum Beispiel) oder jemanden. Und hat man diese sprachliche Verwandtschaft einmal durchschaut, wirkt der November gleich gar nicht mehr so neblig und trüb. Ich hol schon mal die Decke . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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