Leopoldi und der blinde Fleck im Leben der anderen

Es gibt viele Dinge, die einen als Nichtwiener in Wien kalt erwischen, und eines davon ist der Leopolditag, der gestern Horden an Schülern in Schwimmbäder, Trampolinhallen oder auf die Mariahilfer Straße trieb und Eltern den Schweiß auf die Stirn, weil man solche Daten nie im Kopf hat, ebenso wenig wie die 13,70 Euro, die, bitte abgezählt, vorgestern abzugeben waren, und es handelt sich hier nicht um ein Lehrerbashing, sondern um das Eingeständnis eines blinden Flecks, für den man sich bei allen Betroffenen einmal aufrichtig entschuldigen will.

Auch wenn es im Leben jedes Bundesländlers ebenso einen schulfreien Tag gab, der dem Landespatron gewidmet war (Sie können Ihr Wissen um das Leben der anderen übrigens auf diepresse.com/quiz testen), so fiel der nicht ins Gewicht, weil man auf dem Land nicht in irgendwelche Sporttempeln fuhr, für die Erziehungsberechtigte seitenweise Erklärungen unterschreiben mussten, dass für Knochenbrüche und ausgerenkte Gliedmaßen niemand verantwortlich ist. Man blieb einfach daheim und hing herum. Übrigens hat unlängst jemand angemerkt, dass das „Bravo“-Lesen von damals das YouTube-Schauen von heute ist – und schauen Sie, was aus uns geworden ist.

Unlängst überhörte ich in der Schlange vor der Kassa einer maximal großen und maximal lauten Trampolinhalle, wie sich ein Elternteil kurz überlegen musste, in welchem Jahr sein Kind geboren wurde. Das war tröstlich: Jeder hat einen blinden Fleck, nur woanders. Lustig war übrigens auch ein Gespräch zwischen Kundin und Fleischhauer, der vergeblich die eineinhalb Kilo Roastbeef unter dem angegebenen Namen suchte, dann anmerkte, die gleiche Menge Fleisch für diesen Tag, allerdings für einen anderen Namen, beiseitegelegt zu haben, worauf die Frau entsetzt rief: „Ma bitte, ich hab ja geheiratet!“ So ist das mit den blinden Flecken.

Leopoldi ist übrigens eigentlich der Patron der Niederösterreicher, das muss auch einmal gesagt werden.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

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