Nadeln im Heuhaufen

Wir haben den Herbst also im Großen und Ganzen übersprungen, jetzt biegen wir vom Dünne-Jacken-Wetter direkt in Richtung Adventzeit.

Vom Dünne-Jacken-Wetter direkt in Richtung Adventzeit.
Vom Dünne-Jacken-Wetter direkt in Richtung Adventzeit.
Vom Dünne-Jacken-Wetter direkt in Richtung Adventzeit. – (c) Bilderbox

Oft plagen einen große Fragen: Wie ist das Universum entstanden? Woher kommen wir? Ist es noch zu früh für eine Weihnachtskolumne? Als Last-minute-Geschenkebesorgerin würde ich meinen: Ja. Einerseits. Andererseits haben die Punschtrinkereien in dem Moment, in dem Sie das hier lesen, schon wieder angefangen, und es kann sich nur noch um Sekunden handeln, ehe sich die Verwandtschaft mit – zu diesem frühen Zeitpunkt – unbeantwortbaren Fragen („Was wünscht ihr euch eigentlich zu Weihnachten?“) melden wird.

Dabei haben wir noch nicht einmal die obligatorischen Kastanientiere gebastelt. Und auch der Drachen, der seiner Grundaufgabe nie ordentlich nachgekommen ist (und das trotz sachdienlicher Hinweise von Lesern zu meiner „Drachen fliegen nur in Bilderbüchern so schön“-Klage voriges Jahr), durfte heuer kein einziges Mal vorführen, wie er ein paar Sekunden lang abhebt. („Steigen“ wäre eine maßlos übertriebene Bezeichnung). Wir haben den Herbst also im Großen und Ganzen übersprungen, jetzt biegen wir vom Dünne-Jacken-Wetter direkt in Richtung Adventzeit. Ich bin stimmungsmäßig noch ein bisschen auf dem Pannenstreifen hängen geblieben, das Kind ist schon vorgerast und bereits in großer Weihnachtsvorfreude, spätestens seit es im neuen Spielzeugkatalog seine Wünsche anstreichen konnte. Wie jedes Jahr freut es sich auf den Adventmarkt auf dem Karlsplatz, wo Kinder (und mindestens so euphorisch mancher Begleiterwachsene) im Stroh spielen und dann einen großen Teil des Strohs in den Schuhen mit nach Hause nehmen können. Diese Strohmitbringsel verteilen sich daheim dann verlässlich, bei uns heuer in Kombination mit dem Hamsterstreu, das sich über die Socken schneller in so einer Drei-Zimmer-Wohnung ausbreitet als Grippeviren in einer überfüllten U6.

Beim kläglichen Versuch, das alles wieder zusammenzusaugen tauchen gelegentlich auch noch Tannennadeln vom vorigen Jahr auf, allerdings sind sie mittlerweile den Hamsterstreupartikeln quantitativ eindeutig unterlegen. Höchste Zeit also für Nadelnachschub. In diesem Sinne: Auf eine schöne Punschsaison!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2018)

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