Das Wort "pikant" sollte man nur bei Wurst verwenden

Das große Aha-Erlebnis in der Kindheit: Die Bekanntwurst heißt in Wirklichkeit gar nicht so.

Irgendwann aber lernte man, dass die Extrawurst mit den Paprikastücken in Wirklichkeit Pikantwurst heißt.
Irgendwann aber lernte man, dass die Extrawurst mit den Paprikastücken in Wirklichkeit Pikantwurst heißt.
Die völlige Verwirrung kam dann mit der Kantwurst, aber das ist wieder eine andere Geschichte. – (c) Clemens Fabry

Als Kind hört man Sachen immer ein bisschen anders. Dass es gar nicht Bekanntwurst heißt, klärte sich erst später auf. Aber gut, in einem Alter, in dem der einzige Gedanke ist, ob die Wurstverkäuferin diesmal wieder ein Rad Extrawurst herschenken wird, nimmt man das eben in Kauf. Alle anderen Sorten waren damals sowieso noch Unbekanntwurst. (Die völlige Verwirrung kam dann mit der Kantwurst, aber das ist wieder eine andere Geschichte.) Irgendwann aber lernte man, dass die Extrawurst mit den Paprikastücken in Wirklichkeit Pikantwurst heißt. Das wiederum kommt vom französischen „piquant“, dem Partizip zu „piquer“, also stechen. Übertragen steht es für die Wirkung von raffiniert gewürzten Speisen. Aber nicht nur das, vor allem beim Frühstück wird es gern als Gegenstück zum Süßfrühstück verwendet. Gut, man kann auch salzig sagen, aber in pikant schwingt doch viel mehr als nur Salz mit. (In Deutschland sagt man übrigens eher herzhaft.)

Vielleicht ist Ihnen das ja wurst, aber pikant ist auch verwandt mit der Pike, von der auf man etwas gelernt hat – das kommt davon, dass der etwa fünf bis sechs Meter lange Spieß einst die niedrigste Waffengattung war, von der man sich als Soldat hocharbeiten musste. Als Kartenspieler hat man manchmal ein Pik in der Hand, das die gleiche Wurzel hat. Aber noch einmal zurück zum Pikanten. Das Pikante daran ist nämlich, dass das Wort noch eine weitere Bedeutungsebene hat – frivol, anrüchig, schlüpfrig. Dementsprechend wird es auch eingesetzt, um etwa bei Klatschgeschichten Details zu enthüllen. Ein kleiner stilistischer Tipp – lieber nicht verwenden! Allzu oft verbergen sich dahinter dramatische Erlebnisse und unlustige Ereignisse, die alles andere als pikant sind und an denen wir uns nicht ergötzen sollten. Damit endet auch schon die kleine Moralpredigt. Ich hoffe, Sie sind jetzt nicht allzu pikiert . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2018)

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