Ein Elefant, Otto Wagner und der Wien-Museum-Murks

Leider nicht gebaut: Otto Wagners Pläne für ein Stadtmuseum – und was sie uns ersparen könnten.

Umbau demnächst: Wien Museum.
Umbau demnächst: Wien Museum.
Umbau demnächst: Wien Museum. – (c) Freitag

Ein fünf Stöcke hoher Elefant, der in seinem begehbaren Inneren Speise- und Ballsaal birgt. Eine Kugel, größer als die Pyramiden von Gizeh, als Kenotaph für Isaac Newton. Eine gigantische Kuppel über Manhattan, um die Stadt vor Witterungseinflüssen zu schützen. Solche und ähnliche, nun ja, Visionen, denen die Verwirklichung versagt blieb, versammelt der kürzlich erschienene Band „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ von Philip Wilkinson (dtv, München).

Auch hierorts, in der Welthauptstadt des ewig Unvollendeten, hätte man dazu Beiträge beizusteuern, wenngleich kaum je von so megalomaner Dimension, dafür des Öfteren begleitet von Bedauern darüber, dass Papier blieb, was Teil des Stadtbilds hätte werden sollen. Wer etwa im zu Ende gehenden Otto-Wagner-Jahr Wagners Plänen für ein Kaiser-Franz-Joseph-Stadtmuseum am Karlsplatz begegnet ist, wird wohl enttäuschend empfinden, was sich heute an nämlichem Platz in nämlicher Funktion erhebt: das Wien Museum. Und gut möglich, dass sich mancher angesichts gegenwärtiger Umbaupläne des Hauses, derzeit dortselbst zu besichtigen, die Frage stellt, ob es nicht klüger wäre, statt an einer unbefriedigenden Lösung weiterzumurksen, die Lage grundsätzlich neu zu überdenken. Die Chancen, eine Halbheit in ein Ganzes zu transformieren, sind nie groß.

So aber werden wir uns damit abfinden müssen, weiterhin Otto Wagners Ideen nachzuweinen. Das Ergebnis einer Unentschlossenheit vor mehr als 100 Jahren prolongiert sich als gestalterisch in Wahrheit kaum auflösbarer Pallawatsch um weitere Jahrzehnte. Ganz abgesehen davon, dass solcherart detto auf Jahrzehnte das städtische Tohuwabohu zwischen Kunsthalle Wien und Wien Museum, genannt Karlsplatz, mutmaßlich bleibt, was es ist: ein Tohuwabohu eben. Aber mehr zu erwarten wär ja fast nicht mehr wienerisch.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2018)

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