Nur noch sechs Ferienwochen

Last Minute. Der Sommer kann schon noch kommen, Aber wenn nicht, kommt man ihm eben entgegen. Sechs Urlaubsziele für spontane Spätbucher (Teil 3)

Beim Fischen hilft der Leuchtturmwärter: Kroatien-Urlaub im Leuchtturm.
Beim Fischen hilft der Leuchtturmwärter: Kroatien-Urlaub im Leuchtturm.
(c) AP (Darko Bandic)

Leichte Brisen, Kieferndüfte:  Kroatien 

dobro doSli! Geheimtipps für Kroatien sind rar geworden – ein renovierter Leuchtturm auf dem kleinen Inselchen Palagruza wäre einer der letzten. Neben seltenen Tier- und Pflanzenarten gibt es hier einen der schönsten Strände der Adria mit dem klingenden Namen „Gold des Südens. Die Verpflegung muss man auf diesen am weitesten von der kroatischen Küste entfernten Inselarchipel – 126 Kilometer südlich von Spilt – selbst mitbringen. Angeblich hilft der Leuchtturmwärter als einziger Inselbewohner beim Fischen. Insgesamt elf renovierte Leuchttürme aus der k.u.k. Zeit stehen für Robinsons zur Verfügung – die meisten weitab der Zivilisation.

Wer auf der Suche nach Langsamkeit und einfacher Erholung ist, dem könnten das Landesinnere Istriens und ein Urlaub am Bauernhof in Pazin gefallen. Immerhin hat schon Jules Verne das Paziner Kastell und die Höhle in seinen Roman „Mathias Sandorf“ als Schauplätze eingebaut.

 


Das Hügelchen Hum

Nicht sehr weit von Pazin liegt Hum – das Hügelchen. Mit 17 Einwohnern die kleinste Stadt der Welt. Wer ein Zimmer zur Übernachtung sucht, sollte vielleicht reservieren. Könnte nämlich leicht sein, dass eines der beiden Doppelbettzimmer belegt ist.

Und zum Schluss noch ein Tipp für alle, die sich im Urlaub so richtig anstrengen möchten: Der 1. Stonmarathon auf der Halbinsel Peljesac am 6. September verspricht nicht nur lang, sondern auch besonders schön zu sein. Die anspruchsvollen 42 Kilometer führen entlang der alten Wehrmauern von Ston und der Küste mit Blick auf die süddalmatischen Inseln. „Die leichte Brise, der Duft von Kiefern und vom Meer werden Ihnen das Laufen erleichtern“, heißt es. Catherine Cziharz

Kroatische Zentrale für Tourismus, 01/585 38 84, www.kroatien.at. www.lighthouses-croatia.com; www.tzpazin.hr; www.hum.hr; www.stonmarathon.com

Strand & Musik für Frauen: Italien

Benvenuto! Nicht nur eingefleischte Fußballfreundinnen haben im Juni Bekanntschaft mit Goffredo Mamelis Nationalhymne gemacht. Der Motivationssong der Italiener entstand im 19. Jahrhundert vor dem Freiheitskampf gegen Österreich. Friedlicher, aber kaum weniger hymnisch trällerte Peter Alexander 1953: „Italia! Oh Land der Zitronen und der Canzonen sei mir gegrüßt!“ Peter Alexander traf mit dem Gassenhauer „La bella musica“ den Nerv seiner Zeitgenossen, denen die langen Sandstrände der oberen Adria als Paradies auf Erden galten. Seitdem behaupten sich die Sand-Metropolen Lignano Sabbiadoro, Grado, Jesolo, Caorle und Bibione weiterhin als Hauptdestinationen für Familien, heute mit Baby-Parking und Strandgymnastik.

Auf den Spuren von La bella musica wandeln auch die Festivalfans: zu den Puccini-Stätten rund um Torre del Lago und Lucca
oder zu den Festivals in Macerata und Cortona, zum Verdi-Festival in Parma oder zu Rossini in Pesaro.

„Oh Tina, oh Marina, wenn wir uns einmal wiedersehen...“ –
das Lied der damals 19-jährigen Conny Froboess erzählt auch von den erotischen Konnotationen der mediterranen Männerwelt. Frauen, die in Italien auf klischeehafte Weiblichkeit pfeifen, sind reisetechnisch bei Angelika Plotz gut aufgehoben. „Wenn Frauen miteinander verreisen, geht's
besonders lustig zu.“ Angelika Plotz kam durch ihre Mutter auf die Frauenreisen-Idee. Die reiselustige, geschiedene Dame hatte keine Lust mehr, als alleinreisende Frau das kleinste Zimmer der Gruppentour für einen horrenden Einzelbettzuschlag zu bekommen. Reiselust statt Repräsentation
stehen auf dem Programm, diesen Sommer führen die Frauenreisen nach Apulien und nach Rom. Also ab ans Mittelmeer, dort gibt's Platz und Programm für alle, und ansonsten bleibt ja immer noch der Badenwannentango à la Peter Alexander! Christina Höfferer www.frauenreisen.at; www.enit.at

 

Auszeit zwischen Karpaten und Delta: Rumänien

Bun venit! Abgelegen. Abgelegener. Donaudelta! Eine richtige Auszeit können sich Rumänien-Besucher im Donaudelta gönnen, jenem Naturparadies, das die „Naturfreunde Internationale“ zur Landschaft des Jahres 2007/2008 auserkoren hat: beim Dörfer-Hopping oder besser gesagt: Dörfer-Cruising – denn viele Siedlungen in dieser von Kanälen durchkreuzten Schilfregion sind nur per Boot erreichbar. Organisiert kann man das Delta aber auch entdecken: Auf einem schwimmenden Hotel mit Tagesausflügen oder auf einer Kreuzfahrt. Naturbegeisterte kommen im Donaudelta voll auf ihre Kosten: Das Delta beherbergt um die 300 Vögel und 150 verschiedene Fischarten. Bei einem Bootsausflug mit einem örtlichen Fischer kommt man ganz nah auch an die geschützten Tiere heran – allerdings mit dem Fernrohr und nicht mit einer Angel bewaffnet.


Wir bleiben am Wasser!

Weiter südlich wartet die Schwarzmeerküste. Entspannen ist in Doi Mai und Vama Veche angesagt. Früher war Vama Veche („Alter Zoll“), das letzte Dorf vor der Grenze zu Bulgarien, ein Geheimtipp. Heute ist es zumindest noch ein halber. Der einstige Badeort von Nonkonformisten und Künstlern zehrt noch von einer ostigen Woodstock-Atmosphäre. Camping am Strand ist erlaubt, schlafen kann man aber auch komfortabler, in kleinen Privatpensionen. Große Hotels gibt es in Vama Veche noch nicht – dagegen haben sich seine Bewohner bisher erfolgreich gewehrt. Wer Glück hat, kann eine Jam-Session am Strand live miterleben. Oder aber, ganz geplant, im Spätsommer zum Jazz-Festival anreisen.


Weiße Sandstrände

Anders Mamaia: Ein veritabler Touristenort auf einer schmalen Landzunge, die sich zwischen dem Schwarzen Meer und dem Süßwassersee Siutghiol hinstreckt. Baden am weißen Sandstrand, Aqua-Park, Spiele für Kinder, Diskotheken: Wer einen standardmäßigen Strandurlaub haben möchte, bekommt ihn in Mamaia. Und sollte man ein bisschen Ruhe wollen, dann kann man in der „Telegondola“, einer Gondelbahn, über dem Urlaubsort entlangschweben.

Oder doch wandern? Wandern ist in Rumänien gleichbedeutend mit einem Wort: den Karpaten, einem weitläufigen Gebirge, mit Gipfeln, die bis zu 2500 Meter hoch sind. Der Gebirgszug nimmt immerhin fast ein Drittel der Landesfläche in Beschlag, und zwar in Form eines Kipferls, das sich von Norden nach Osten über die Landesmitte schlägt. Bekanntester Abschnitt: die Fagaras-Kette. Aber auch andere Regionen laden ein zu tagelangem Trekking, Übernachtungen in einfachen Hütten inklusive.

Zu guter Letzt: Städtetourismus. Was vor einigen Jahren noch mit einer langatmigen Anreise verbunden war, machen zahlreiche Flugverbindungen mittlerweile leicht. Von Wien aus fliegen verschiedene Fluglinien in sechs rumänische Städte. Etwa nach Temeswar, gleich hinter der ungarisch-rumänischen Grenze, wo man auf den Spuren der Habsburger wandeln kann. Oder in die Kulturhauptstadt des Jahres 2007, Sibiu, deren herausgeputzte Altstadt auch mit einem Jahr Verspätung noch genossen werden kann.


Urwüchsige Grenzregion

Abseits (halb) bekannter Touristenpfade liegt im Norden des Landes Baia Mare, das Zentrum der Region Maramures und Ausgangspunkt für Touren in diese abgelegene, urwüchsige Landschaft in der ungarisch-ukrainischen Grenzregion. Eine aus der Zeit geworfene Landschaft, Hügel, Wiesen, dazwischen hölzerne Kirchen und: der „Lustige Friedhof“ von Sapanta, auf dem fröhlich-bunte Grabmäler die Verstorbenen ins Jenseits verabschieden. Noch weiter östlich dann Iasi, ebenfalls mit dem Flieger erreichbar, einstiges jüdisches Gelehrtenzentrum, heute Universitätsstadt und kultureller Mittelpunkt der Provinz Moldau. Achtung: Nicht zu verwechseln mit der Republik Moldau (oder Moldawien) – wohin es von Iasi allerdings auch nur noch ein Katzensprung ist. Oder aber man mietet ein Auto und bleibt in der rumänischen Provinz: Für eine Tour zu den orthodoxen
Moldau-Klöstern mit ihren kunstvoll bemalten Fassaden rund um
Suceava. Jutta Sommerbauer

Flugverbindungen: Austrian fliegt nach Bukarest, Temesvar, Sibiu, Iasi, Cluj-Napoca, Baja Mare, www.aua.com

Sky Europe fliegt nach Bukarest, www.skyeurope.com

Rumänisches Fremdenverkehrsamt, Tel. 01/317 31 57, Opernring 1, Stiege R, Top 401–404,
1010 Wien, www.rumaenien-info.at

 

Ruhige Nächte, klare Wege: Bulgarien

Dobre doshal am Sonnenstrand, Goldstrand, Albena: So heißen Bulgariens bekannteste touristische Aushängeschilder. Für einen Last-Minute-Urlaub sind sie ideal: Das Flugzeug setzt einen fast vor dem Hotel ab (die Urlaubsorte liegen nahe den Charter-Flughäfen Varna und Burgas). Viele der Hotels sind neu, so sie noch aus der sozialistischen Ära stammen, wurden sie renoviert. Die unbeschwerte Urlaubsroutine: Tagsüber liegt man am feinen Sandstrand, abends geht's in die Disco. Dazwischen kann man Zaza, kleine, gebratene Fische, die als Ganzes verzehrt werden, und den berühmten Schopska Salata essen: Tomaten, Gurken, geriebener Feta-Käse. Kein schlechter Urlaub.

Das Balkanland hat auf seinem 380 Kilometer langen Küstenstreifen aber noch einiges mehr zu
bieten: eine einsame Steilküste im Norden, Kultur-Highlights wie die Städtchen Sozopol und Nesebar im mittleren Küstenabschnitt oder urige Fischerdörfer im Süden an der türkischen Grenze, wo sich der Massentourismus nicht so ungehemmt entwickeln konnte wie anderswo. Ein Glück. Aber auch zwischen Sofia und dem Meer gibt es viel Kultur und Natur zu entdecken. Etwa in und um Veliko Tarnovo, einer Kleinstadt mit Universität und Einkaufszentren, die wie ein Gebirgsdorf wirkt, ist sie doch auf mehreren Hügeln zwischen steil abfallenden Schluchten gebaut. Ein idealer Ausgangspunkt für Bergtouren ins nahe Balkan-Gebirge. Im südlichen Rhodopen-Gebirge, wo Orpheus gelebt haben soll, mietet man ein Auto und fährt zum Beispiel in das Dorf Trigrad, nur ein paar Kilometer von der griechischen Grenze entfernt. Hier gibt es traditionelles Dorfleben, noch dazu in christlich-muslimischer Mischung, zu entdecken. Oder man wandert auf Ökopfaden durch die Hügellandschaft, erkundet die ausgedehnte Jagodina-Höhle, steigt hinab in den „Teufelsrachen“, einen

unterirdischen Wasserfall, und planscht in den Heilbädern des nahen Kurorts Devin. Abends bringt ein Hirte die Kühe zurück ins Dorf, und jede findet ihren Stall von selbst. Nach einem Schnaps in der Dorfkneipe geleiten Kirchenglocken und Gebetsrufe aus der Moschee den Besucher nach Hause. Auf dem

bulgarischen Land sind die Nächte ruhig und die Wege klar – und genau das macht seinen Charme aus. Jutta Sommerbauer

www.bulgariatravel.org

Strand, Krabben und Wein: Holland

Welkom! Der Fußballschock für die Holländer ist verflogen. Jetzt wird der Sommer genossen, zum Beispiel am Strand in Scheveningen, dem Kurort von Den Haag. Dort geht bei sommerlichen Temperaturen von über 25 Grad die Post ab. Tag und Nacht. Scheveningen ist wie Mallorca, warm, aufregend, anregend, inspirierend. Cool gestylt sind die Strandpavillons. Einer schöner als der andere. Sogar das Servicepersonal ist inzwischen freundlich, auch wenn man Deutsch oder Niederländisch mit deutschem Akzent spricht. Das war nicht immer so.

Exzellent ist das Essen. Meilenweit entfernt von den kulinarischen Zumutungen, die es hier früher gab. Trotzdem: Man muss wissen, wo man wirklich gut essen kann. Im „Resto Waterproef“ im Fischereihafen beispielsweise. Hier haben Mark Ligtvoet und Yves van Westreenen etwas kreiert, was bis vor kurzem in Scheveningen niemand für möglich hielt: Eine Atmosphäre wie in Nizza oder Portofino, einen Hauch von Elounda-Beach auf Kreta und einen Schuss von Bregenz am Bodensee. Nur eben holländisch. Im „Waterproef“ ist die Atmosphäre relaxt, das Essen exzellent, die Bedienung höflich, aber nicht überkandidelt, und die Gäste exklusiv. Hier geht alles: Showdown auf der Hafenflaniermeile, deren Boulevard zwischen den beiden Hafenterrassen des Restaurants verläuft. Sehen und gesehen werden ist hier angesagt. Wenn dann der Ober das viergängige Überraschungsmenü zum Preis von 39,50 Euro aufträgt, dann kann der Gast nicht nur kulinarisch genießen, sondern sich auch optisch am Publikum ergötzen, das da so vorbeiflaniert. Nizza könnte da neidisch werden. VIPs gibt's hier nämlich inklusive, Holland-Feeling auch. Es geht sehr ungezwungen, aber trotzdem sehr gepflegt zu. Niemand ist aufdringlich, die Jachten im Hafen, die direkt neben der Terrasse vor Anker liegen, schaukeln friedlich vor sich hin – könnte auch Monaco sein. Sogar die TV-Stars und Medienmillionäre aus dem fernen Hilversum sind im Waterproef inzwischen zu finden. Helmuth Hetzel

www.restaurantwaterproef.nl

Feste, Weine und viel Wasser: Zypern

kalos írthate! Stabiles Hochdruckwetter, pralles Mittelmeerleben und viel Kontakt zur Bevölkerung – dafür steht Zypern. Vor unerträglicher Hitze braucht sich aber niemand zu fürchten, denn an den Stränden weht auch im Sommer die berühmte beständige Brise, die auch hohe Temperaturen angenehm erscheinen lässt. Zypern ist ein ideales Urlaubsziel für Familien. Vor allem bei den Unterkunftsmöglichkeiten wird hier auf die verschiedenen Bedürfnisse und Vorstellungen von Familien eingegangen, Alles-
inklusive-Urlaub gibt es bei nahezu allen großen Veranstaltern.
Für Familien empfiehlt sich die Region um Agia Napa mit ihren vielen 3- und 4-Stern-Hotels und Bungalowanlagen – Kinder lieben besonders die Wasserparks um Agia Napa und Limassol. Familien, die es lieber ländlich bevorzugen, schöpfen aus dem reichen Agrotourismus-Angebot der Mittelmeerinsel und mieten ein revitalisiertes, traditionelles Steinhaus im Landesinneren. Oft liegen diese Quartiere nicht mehr als zehn bis 15 Minuten vom Strand entfernt und sind mit einem Mietwagen der ideale Ausgangspunkt, um das zypriotische Hinterland zu erkunden.

Neben den vielfältigen Angeboten für Familien und dem angenehmen Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen auch die idealen Badebedingungen und die verlängerte Sommersaison für Zypern. Der September und Oktober gelten hier immer noch als Hochsommer. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen der „Sonneninsel“ liegen im Oktober bei rund 29 Grad Celsius, das Wasser hat ebenfalls noch 26°C.


Festivalsommer

Ein Höhepunkt des zypriotischen Festivalsommers ist das alljährliche Weinfest von Limassol (29.August bis 7.September). Auch Zypern folgt dem Trend zu Themenstraßen: Vier Weinrouten schlängeln sich mittlerweile durch die Hügel und Berge der Insel. Sie führen Urlauber direkt von den Badeorten zu den Rieden, Weingütern und Kellereien im Hinterland. Zwischen 29. und 31. August geht in Paphos das Aphrodite-Festival über die Bühne. Bei diesem jährlich stattfindenden internationalen Kulturevent kommen weltbekannte Opern zur Aufführung. Heuer steht „Madame Butterfly“ von Puccini auf dem Programm. Ute Fuith

www.agrotourism.com.cy; www.visitcyprus.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2008)

Kommentar zu Artikel:

Nur noch sechs Ferienwochen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen