Was kostet den Reisenden die EU-Kultur?

Ein Citytrip in die jüngeren Europäischen Kulturhauptstädte variiert stark im Preis. Nicht nur im eigentlichen Austragungsjahr, sondern auch in der Nachhut. Budgets von Malta bis nach Leuwaarden.

Ein (dänischer) Hotspot im Kulturstadtjahr 2017: das ARoS-Aaarhus-Kunstmuseum.
Ein (dänischer) Hotspot im Kulturstadtjahr 2017: das ARoS-Aaarhus-Kunstmuseum.
Ein (dänischer) Hotspot im Kulturstadtjahr 2017: das ARoS-Aaarhus-Kunstmuseum. – Visit Aaarhus Martin Dam Kristensen

Graz, Valetta, Pilsen und Aarhus sind so unterschiedlich und vielfältig wie Europa, haben aber eines gemeinsam: Sie durften sich schon einmal mit dem Titel Europäische Kulturhauptstadt schmücken. Seit 1985 wird dieser Auftrag, um den sich die Städte sechs Jahre im Voraus bewerben müssen, von der Europäischen Union vergeben, seit 2004 dürfen sich zwei Städte pro Jahr so nennen. Und tun das gern, denn abgesehen von den Fördermitteln versprechen sich die Kandidaten von der Auszeichnung und der damit einhergehenden erhöhten Medienaufmerksamkeit erhöhte Besucherzahlen. Zu Recht. So gibt etwa Breslau, 2016 Kulturhauptstadt, eine Verdoppelung der Besucherzahlen an; auch in Graz (2003) nahmen die Nächtigungszahlen damals im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25 Prozent zu.

Die Reiseplattform tavelcircus.de hat aktuell verglichen, was ein Besuch der jüngsten zehn Kulturhauptstädte Europas im Durchschnitt kostet, und verdeutlicht dabei, dass es rein finanziell große Unterschiede in Sachen Kulturgenuss gibt. Denn zwischen gut 300 Euro für ein Wochenende für zwei Personen in Breslau und gut 800 im schwedischen Umea (2014) ist auf diesem Reiseindex alles möglich. Verglichen wurden mehr als 300 Preise, die angegebenen Pauschalkosten pro Stadt inkludieren zwei Übernachtungen im Doppelzimmer eines Drei-Sterne-Hotels, zwei Eintrittskarten zu der bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt und zwei für das beliebteste Museum, zwei Öffitickets für drei Tage, vier mal Fastfood-Lunch, viermal Kaffee und Kuchen und vier landestypische Abendessen. Außerdem die Anreise ab Berlin – was auf heimische Verhältnisse umgerechnet werden muss.

Teures Schweden . . .

Zu den Schnäppchen unter den Kulturhauptstädten in der Kategorie unter 400 Euro zählt das tschechische Pilsen (2015), wo sich bereits um 335 Euro ein Wochenende für zwei ausgeht. Im Mittelfeld zwischen 400 und 550 Euro liegen das belgische Mons (2015) um 421 Euro, das niederländische Leuwaarden (2018) mit 486 Euro, das lettische Riga (2014) mit 490 Euro, die zypriotische Hafenstadt Paphos (2017) mit 502 und das aktuelle Valetta/Malta mit 551 Euro. Zu den hochpreisigsten Städten der Untersuchung zählen das dänische Aarhus (2017), wo man zu zweit durchschnittlich 726 Euro für ein Wochenende einplanen muss, das baskische San Sebastián (2016), wo im Durchschnitt 760 Euro aufgerufen werden, und als Spitzenreiter Umea mit 816 Euro.

Naturgemäß bieten sich je nach den persönlichen Schwerpunkten und potenziellen Einsparposten unterschiedliche Ziele für das Budget an. So sollten Anhänger ausgedehnten Sightseeings die Reisekassen für Valetta oder Riga üppig ausstatten, wo die Preise für Besichtigungen nach den Travelcircus-Kalkulationen mit 44 Euro mehr als viermal so hoch sind wie in Mons und Breslau mit rund neun Euro.

. . . günstiges Tschechien

Wer gern gut essen gehen möchte, sollte die Reise nach Aarhus gut überlegen, denn die dänische Kulturhauptstadt schlägt in puncto Verpflegung alle anderen Kandidaten um Längen. Mit 171 Euro liegt Aarhus hier auf dem Spitzenplatz – und damit fast 50 Euro über der zweitteuersten Stadt, Umea, mit 121 Euro. Was allerdings auch den skandinavischen Preisen für Alkoholika geschuldet sein könnte, da die Berechnungen der Plattform den Reisenden ein Bier zum Abendessen spendieren. Am günstigsten isst und trinkt es sich dagegen in Pilsen, Breslau und Riga mit kulinarischen Budgets zwischen 56 und 87 Euro für das Wochenende zu zweit. (sms)

Kostenübersicht und Kulturtipps auf: www.travelcircus.de/kulturhauptstaedte

NÄCHSTE KANDIDATEN

2019: Matera/Italien und Plowdiw/Bulgarien; 2020: Galway/Irland und Rijeka/Kroatien; 2021: Timisoara/Rumänien und Eleusis/Griechenland sowie Novi Sad/Serbien – 2021 soll es in jedem dritten Jahr eine zusätzliche Kulturhauptstadt aus einem potenziellen Beitrittsland geben. 2022: Kaunas/Litauen und Esch an der Alzette/Luxemburg. Ab 2023 stehen bisher nur die Länder (Ungarn und UK), nicht aber die Städte fest: 2024 kommen Österreich und Estland in den Genuss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2018)

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