Amanshausers Album: Lokalaugenschein Mexiko

An den Mauern finden sich jetzt Künstler ein.

★ Ein verhaltensauffälliger Präsident als Kunstförderer: Etwa ein Drittel der 3144 Kilometer langen Grenze der USA zu Mexiko ist mit einem hohen Zaun bewehrt – viel Platz also für Kunst.
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★ Ein verhaltensauffälliger Präsident als Kunstförderer: Etwa ein Drittel der 3144 Kilometer langen Grenze der USA zu Mexiko ist mit einem hohen Zaun bewehrt – viel Platz also für Kunst.
★ Ein verhaltensauffälliger Präsident als Kunstförderer: Etwa ein Drittel der 3144 Kilometer langen Grenze der USA zu Mexiko ist mit einem hohen Zaun bewehrt – viel Platz also für Kunst. – (c) JIM WATSON / AFP / picturedesk.c (JIM WATSON)

Gerade sitze ich in Mexiko, im US-Ferienparadies Cancún, das die Amerikaner Kännkann nennen, Betonung wie zum Hohn auf der ersten Silbe. Souvenirläden verkaufen Kapperln mit der Aufschrift „FUCK TRUMP“ und ein T-Shirt „MAKE CANCUN GREAT AGAIN!“. Auf dem Rücken steht, in Bezug auf einen benachbarten Badeort: „Build a wall around Cancún. Make Playa del Carmen pay for it.“ Offenbar nehmen die Mexikaner die „executive order“ des verhaltensauffälligen US-Präsidenten zur Einleitung eines Mauerbauprozesses mit Galgenhumor. Manche sind aber ernsthaft irritiert – vor allem Doppelstaatsbürger, die hier urlauben, seit Jahrzehnten in den Staaten leben und in Wirklichkeit längst mehr Yankee als Tequila sind.

Verhungern und verdursten. Durch die 3144 Kilometer lange Grenze schneidet auf ungefähr einem Drittel ein Grenzzaun aus (meist) Eisenstäben. Der Zaun hält Einwanderer zwar an den betreffenden Stelle von ihrem angeblichen Verbrechen ab, verdrängt den Grenzübertritt jedoch in wildere Regionen, wo dann verdurstet und ertrunken wird, und manche dieser spezifischen Wanderer werden nachts auch versehentlich totgefahren.

Die Befestigung führt quer durch Ballungszentren, wo ambulante Verkäufer gern ihre Waren an ihr befestigen, doch auch durch Wüstenabschnitte. An ­anderen Stellen, wie in Arizona bei den Tohono, Indianern mit Siedlungsgebiet auf beiden Seiten und verbrieften Übertrittsrechten, fürchten selbige Anrainer um ihre Ruhe. Durch ein Reservat wird der Starpopulist keine Mauer errichten können, doch wenn sie überall anders verwirklicht wäre, kämen unweigerlich die Schlepper und deren Kunden.

Wenn Trump in gewohnter Überheblichkeit darauf verwiesen hat, „keiner“ kön­ne solche Mauern besser bauen als er, wird auch diese, bevor sie wieder fällt, von Künstlern bearbeitet werden. Wo sie steht, finden sich bereits Möglichkeiten, sie zu verzieren. In Kalifornien hat das Künstlerpaar t.Rutt (Mihelic/Gleeson) zur Begrüßung von Grenzübertretern sogar eine weithin sichtbare Skulptur geschaffen, mit der Aufschrift „Are you nice? o SÍ o NO“ (zum Ankreuzen).

www.amanshauser.at

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