Amanshausers Album: Mallorca

Veranstalter wollen Nationen mischen. Schön – doch die Branche braucht nachhaltigere Utopien.

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Revierverlust. Werden britische Touristen ihr Paradies in Magaluf (Mallorca) künftig mit den Deutschen teilen müssen? Und wird, umgekehrt, der Ballermann mit Fish & Chips unterwandert? – (C) Beigestellt

Der Reiseveranstalter Thomas Cook will künftig in Touri-Destinationen wie Mallorca die Nationalitäten „mischen“. Laut einer Umfrage haben Europäer es nämlich satt, die Vollpensions-Buffets mit öden Landsleuten zu plündern. Vor allem sollen Deutsche und Briten, bisher hübsch getrennt (Erstere blockieren ab fünf Uhr früh die Liegestühle mit Handtüchern, Zweitere saufen lärmend bis drei Uhr nachts, so das Stereotyp), in gemeinsame Hotels gepackt werden, Brexit hin oder her. Zur Auflockerung will man Skandinavier daruntermischen („Puffernationen“).

Großartige Idee, die Nationalitätenhotels aufzulösen! Das kann aber nur ein erster Schritt sein. Meiner Ansicht nach sollte der Pauschaltourismus stufenweise rückabgewickelt werden. In der Regel fördert er den Rassismus gegenüber der Zielnation, schaufelt Geld ausschließlich in die Kassen großer Veranstalter und internationaler Hotelketten und ist in volksbildnerischer Hinsicht ein Reinfall: Die Betroffenen können sich die Jahreszahlen und Aristokratennamen, die ihnen auf den Touren serviert werden, ohnehin nie merken. Wer sich nur via Charterflug und im Schoß geführter Gruppen in ein fremdes Land wagt, unternimmt ja genau genommen keine Reise, sondern lässt sich eine leicht dosierte Spritze mit Aufschrift der jeweiligen Destination verpassen.

In meiner Utopie einer zukünftigen
Reisebranche, die sich nicht in erster Linie um Maximierung der Bettenbelegung kümmert, sondern das Erlebnis in den Mittelpunkt stellt, verlagert sich der Schwerpunkt auf Individualreisen. Nur in kleinen Gruppen – am besten aber ganz allein – kann man sich sinnvoll mit einer anderen Kultur konfrontieren. Privates Sofa-Surfing würde die Riesenhotels ersetzen, die man als Schulen oder Universitäten nachnutzen kann: Begegnung statt Isolation. Und die Vorherrschaft des Flugverkehrs könnte endlich gebrochen werden – ich will zum Beispiel für eine Triest-Reise nie mehr Wien-Rom-Triest fliegen! Ich persönlich werde meinen Teil beitragen: Ich plane, die nächste Pressereise, die einen solchen Wahnsinn anbietet, zu boy­kottieren.

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