Amanshausers Album: 12. Europa

Eine pauschale US-Reisewarnung für Europa kostet die Amerikaner kein müdes Lächeln..

★ Was jetzt? Lassen sich US-amerikanische Touristen durch travel alerts von einem Europa-Trip  abhalten? Und umgekehrt: Hat man denn Lust hinzufliegen?
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★ Was jetzt? Lassen sich US-amerikanische Touristen durch travel alerts von einem Europa-Trip  abhalten? Und umgekehrt: Hat man denn Lust hinzufliegen?
★ Was jetzt? Lassen sich US-amerikanische Touristen durch travel alerts von einem Europa-Trip abhalten? Und umgekehrt: Hat man denn Lust hinzufliegen? – (c) REUTERS (JONATHAN ERNST)

Amerikanische Reisewarnung für Europa – eine Riesenschlagzeile? Wer Anfang Mai die „Kronen Zeitung“ oder die „Schweriner Volkszeitung“ las, musste glauben, dass uns der Onkel aus Amerika jetzt endgültig abschreibt. Das US-Außenministerium hatte eine travel alert für den gesamten Kontinent ausgegeben, mit der Begründung, der sogenannte IS und die al-Qaida-Terroristen seien „weiterhin zur Planung und Durchführung von Terroranschlägen fähig“, so der offizielle Text. Faktisch sicherlich zutreffend! Was wären das auch für Terroristen, die plötzlich ihr Kerngeschäft verlernt ­hätten?

Missverständnis, Begriffsvermischung!
Reisewarnung bedeutet bei uns: sechste Stufe, die höchste Warnstufeneskalation. In der US-Logik handelte es sich nun aber nicht um eine travel warning wie für Krisenländer des Nahen Ostens. Die abgeschwächte travel alert kommt auch in der Hurrikan- und Taifunsaison habituell zur Anwendung. „Solche travel alerts“, hört man, „gibt das Ministerium aus, damit es für nichts haftbar ist, und nicht kritisierbar.“ Schon vergangenen Herbst travel-alertete die USA vor komplett Europa, im Februar ging die Warnung raus, sie wurde zunächst nicht erneuert. Starrten wirklich alle nur auf den schlingernden Präsidenten, hatte das State Department zwischenzeitlich die Terrorgefahr aus den Augen verloren?
Auf den Webseiten von US-Touristik-
Giganten wie der Viking River Cruises bleibt die erneuerte travel alert unsichtbar. Die machen sich offenbar wenig ­Sorgen um Haftung. Und das bedeutet für amerikanische Verhältnisse einiges. Für die US-Medien ist der aktuelle Status Europas keine Sensationsmeldung, zu sehr hat man sich an Anschläge gewöhnt. Kann sein, dass reiseunerfahrene Leute so Alert-Kontinente wie den unseren tatsächlich meiden, insgesamt ist selbst den sicherheitsversessenen Amerikanern eine solche Pauschalwarnung dann doch zu weit gesteckt.
Und zu klar steht ihnen mittlerweile vor Augen, dass das derzeitige selbst auferlegte innenpolitische Missvergnügen ein deutlich höheres Sicherheitsrisiko birgt

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