Unterwegs

Franz Kafka und das Motorrad

Unterwegs, aber wie? Franz Kafka und das Motorrad in Großbritannien.

Mit dem Motorrad in London
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Mit dem Motorrad in London
Mit dem Motorrad in London – (c) imago/robertharding

Entnervt vom täglichen Kampf in der überfüllten U-Bahn sucht Ihr Kolumnist nach Alternativen. Leichter gesagt als getan. Der Bus bleibt im Morgenverkehr stecken, Radfahren in East London ist lebensgefährlich, und zu Fuß ist auf derselben Strecke eine Bleivergiftung wohl unvermeidlich. Blieb die Hoffnung auf ein Motorrad. Flink und frei, so lässt sich der Alltag meistern. Wer so denkt, hat nicht mit der britischen Bürokratie gerechnet. Wussten Sie, dass Franz Kafka bis heute unter dem Namen Frank McKay die Verkehrsbehörde des Landes in Cardiff leitet?

Wem es gelungen ist, hier eine lebende Person am Telefon zu erreichen, hat sich den Victoria-Orden verdient. Wer dann auch noch fragt, wie ein Ausländer die Voraussetzungen für einen Motorradführerschein erbringen kann, überschreitet die Grenze von Tapferkeit zu Leichtsinn. Unter Hohnlachen wird man auf die Website verwiesen, deren unverständlicher Inhalt den Anruf erst notwendig gemacht hatte. Unverdrossen lässt man in der Folge Papiere übersetzen, füllt Formulare aus, legt Bestätigungen vor und bezahlt Gebühren.

Es kommt die abweisende Antwort zurück: „Sie haben Formular A9/B12/723f idF von 1712 vorgelegt, wenn Sie richtigerweise Formular Y7/V11/309a erlassen von König Heinrich VIII. über . . .“ – und immer so weiter. Unlängst wurde dem Antragsteller beschieden, die Berechtigung wäre ganz leicht zu erhalten. Er müsse nur seine bestehende Lizenz einreichen. Die Sache hat einen Haken: Der europäische Führerschein wird kassiert. Und ob das britische Ersatzdokument in Zeiten des Brexit noch lang internationale Gültigkeit haben wird, kann niemand sagen. Also zurück zur U-Bahn.

aussenpolitik@diepresse.com

Nächste Woche: Oliver Grimm

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2017)

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