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Von den Qualen in der britischen „Bitte warten“-Hölle.

Once upon a time . . .“ – so haben einst Märchen begonnen. Und in jener Zeit, als wir noch an diese glaubten, da waren die Briten unfehlbar höflich, freundlich und zuvorkommend. That's over: Heute kämpft jeder für sich allein. Die Briten haben gelernt, „Nein“ zu sagen. Nein mit großem N.

Wenn es überhaupt noch gelingt, einen Briten etwas zu fragen. Wer eine Straße sucht, konsultiert heute sein Mobiltelefon. Wer eine Auskunft braucht, fragt Google. Wer mit seiner Bank sprechen will, bekommt eine Rüge, warum man nicht Online-Banking macht, und erst nach Insistieren eine Telefonnummer ausgehändigt. Wer die wählt, muss sich durch einen Dschungel an einzugebenden Nummern und Codes schlagen. Dann landet man in einer Warteschlange, die länger ist als die für Wimbledon-Tickets.

Die Zeit wird einem mit nervtötender Musik, dem Hinweis „Zur Zeit verzeichnen wir ein besonders hohes Aufkommen an Anrufen“ und der Drohung „Ihr Anruf kann aus Trainingsgründen aufgezeichnet werden“ versüßt. Man hat lange Zeit, sich zu überlegen, welche Art von Training das sein könnte. Hat man dann alle Hürden überwunden (und eine astronomische Telefonrechnung produziert), landet man in einem Callcenter an einem unbekannten Ort der Welt, wo alle Menschen nur Vornamen haben und in erster Linie auf einen Satz geschult zu sein scheinen: „Dafür bin ich nicht autorisiert. Da muss ich meinen Vorgesetzten fragen.“

In der Zwischenzeit tönt wieder Musik. Das Pfund hat in dieser Zeit gefühlte fünf Prozent an Wert verloren. Da ruft selbst der Geduldigste „NO!“. In Großbuchstaben.

aussenpolitik@diepresse.com


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Oliver Grimm

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2017)

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