Wat leuk!

Holländer sind genügsam und gelassen, weltoffen und egalitär. Kurz gesagt: Völlig anders als wir.

Die niederländische Königsfamilie.
Die niederländische Königsfamilie.
Die niederländische Königsfamilie. – APA/AFP/ANP/ROBIN UTRECHT

Macht es das Meer, der Handel, das flache Land? In Den Haag komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Der mächtigste Holländer, Mark Rutte, arbeitet in einer putzigen Turmstube. Angeblich das kleinste Büro eines Regierungschefs auf der ganzen Welt. Ich denke an unseren Ballhausplatz-Pomp für halb so viele Einwohner und bin beschämt.

Dafür ist der mittelalterliche Festsaal des Parlaments riesig, eine Trutzburg der Demokratie. Dagegen stinkt der Amtssitz des Königs richtig ab: ein schlichtes Palais in einer Einkaufsstraße. Überhaupt scheinen sich die Holländer nur deshalb eine Königsfamilie zu halten, damit sie ihre Verachtung für Hierarchien demonstrieren können. Wohnen müssen Willem-Alexander und Máxima in einem schmucklosen Vorstadtbungalow. Wenn sie in einem Warenhaus einkaufen, achtet niemand auf sie. Mir dämmert noch mehr: Warum drängeln sich Niederländer an unseren Skiliften so unbekümmert vor? Sie können sich gar nicht vorstellen, dass irgendjemand ein Recht haben sollte, vor ihnen dranzukommen. Fröhliches Chaos herrscht auch auf ihren überfüllten Radwegen. Alle fahren mit „Fietsen“: König, Rutte, Minister, Konzernchefs.

Drahtesel sind das Symbol ihrer Freiheit, auf Limousinen können sie verzichten. Vor allem in Utrecht sind Autos nur mehr geduldete Gäste aus der fremden Welt der Großspurigen. Am meisten aber gibt mir die Sitzhaltung der Radler zu denken. Wir fixieren die Lenkstange tief. Das führt zu: nach oben buckeln, nach unten treten. Auf dem Hollandrad sitzen die Fahrer aufrecht. Selbstsichere Reiter, hoch zu Ross. Wie einst Sisi im Prater. Sie sind Kaiser, allesamt. Wie schön! Wat leuk!

karl.gaulhofer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2018)

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