Architektur: Lärchenholz, Stroh, Lehm & Design

Es muss nicht immer Glas und Beton sein. Eine Reihe von prämierten Häusern beweist, dass sich auch mit nachhaltigen Materialien cooles Design verwirklichen lässt.

Architektur Laerchenholz Stroh Lehm
Architektur Laerchenholz Stroh Lehm
Architektur Laerchenholz Stroh Lehm – (c) APA/ADOLF BEREUTER (ADOLF BEREUTER)

Individualistisch und pragmatisch, modern und ökologisch, alltagstauglich und gesund – dass diese Begriffspaare im Architektendesign keine Widersprüche sein müssen, zeigt ein Einfamilienhaus im Bregenzer Wald. Bei der ökologischen Erweiterung des Hauses der Familie Simma wurde von Georg Bechter Architektur + Design ein Altbestand aus den 1960er-Jahren mit einer Isolierung aus Strohballen aufgewertet und die Außenhaut mit ortsüblichen Schindeln verkleidet.

Das neu aufgesetzte Dachgeschoß ist ein Holzbau, die Böden der Zimmer sind aus heimischer Weißtanne gefertigt, die Wände der Schlafräume aus Lehm. „Wir haben versucht, den Wohnkomfort auf den heutigen Stand zu bringen. Dem ökologischen Aspekt wird unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass etwa ergänzende Bauteile aus regionalem Holz gefertigt und alle Bauteile mit einer Strohdämmung versehen sind“, so Bechter.

 

Ländle als Vorreiter

Entstanden ist so ein kompaktes, auf Niedrigenergiestandard gebrachtes Einfamilienhaus, „ein perfektes Nest aus Holz, Lehm und Stroh“, freut sich die Bauherrenfamilie. Ökologisches und gesundes Bauen war nach eigenen Angaben beiden Seiten ein großes Anliegen. „Dass dazu vor allem auch die Verwendung von heimischen Rohstoffen und die Vergabe des Handwerks an Firmen aus der Region gehört, verstand sich von selbst“, betont Jodok Simma. So wurde etwa der gesamte Holzbedarf aus heimischen Wäldern entnommen und ausschließlich von nahegelegenen Betrieben weiterverarbeitet.

Das Haus Simma reiht sich in die lange Tradition des Ländles ein, in dem Holzbauten das Landschaftsbild prägen. Wenn es darum geht, zeitgenössische Architektur und energieeffiziente Bautechnik mit Naturlandschaft zu verknüpfen, um Tradition und Moderne unter einen Hut zu bringen, spielt Vorarlberg eine international anerkannte Vorreiterrolle. Der Paradigmenwechsel hin zur Verbindung von Design, Architektur und Ökologie ist mittlerweile freilich in ganz Österreich im Gange.

 

Lokale Materialien

Beim Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit, der von der Abteilung Umweltökonomie des Umweltministeriums ausgelobt wurde, verzeichneten die Organisatoren heuer beispielsweise besonders viele Einreichungen aus dem Osten. „Architekten und Fachplaner erkennen zunehmend, dass Nachhaltigkeit eine anspruchsvolle Herausforderung ist und eine funktional wie gestalterisch spannende Aufgabe darstellt“, erklärt Staatspreisbeauftragter und Professor an der Kunstuniversität Linz, Roland Gnaiger.

Ein Werkstoff, der in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, ist aber das Holz. Dass sich kreative Architekturlösungen und innovative Hausdesigns nicht nur mit Glas, Beton und Stahl, sondern auch mit Holz vertragen, wird bei den neun bundesweiten Siegerprojekten des Architekturpreises „Das beste Haus 2013“ deutlich. Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb gemeinsam von der Österreichischen Sparkassen AG, dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, dem Architekturzentrum Wien und regionalen Architekturinstitutionen in den Bundesländern. „Auffallend und spannend ist bei den Projekten vor allem die Verwendung von Holz im Zusammenspiel mit wiederentdeckten lokalen Materialien“, betont Karin Giselbrecht von der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Forst- und Holzwirtschaft, ProHolz Austria. Aus der Kombination mit Lehm oder Hanf entstünden so innovative, nachhaltige sowie kosten- und energieeffiziente Bauten mit hoher Wohnqualität.

Das zeigt sich neben dem als „bestes Haus in Vorarlberg“ prämierten Umbauhaus Simma auch beim Niedrigenergiehaus Gemini+ im südlichen Wienerwald. Dafür entwickelte das Wiener Architekturbüro Grundstein Architekten eine Holz-Beton-Verbundbauweise. Der gesamte Fußboden ist als Stampflehmboden ausgeführt, der Lehm des Aushubs wurde für den beheizten Boden verwendet, Hanf aus Tschechien dient als Dämmstoff.

 

Holzdesign at its best

Neben weiteren Holzkonstruktionen, die mit andersartigen Materialien wie Bitumenschindeln oder Kautschukfolien ummantelt wurden, zeigt insbesondere das von Meck Architekten ausgeführte Salzburger Siegerprojekt Aufberg 1110, dass modernes Architekturdesign auch nahezu gänzlich mit dem Baustoff Holz auskommen kann. „Der Baukörper aus Holz wirkt wie eine Skulptur in der Landschaft, aus dem Hang geformt, einfach und klar“, heißt es im Jury-Urteil über das ganz aus Holz errichtete Ferienhaus auf 1100 Metern Seehöhe. Die naturbelassene, raue Schalung aus heimischen Lärchen und offenem Kaminfeuer vermittelt darüber hinaus Hüttencharakter und Nestwärme.

Häuslbauer-Ideenbörse

Einen Überblick über rund 330 moderneReferenzbauten, die mit Holz realisiert wurden, findet man auf der Homepage von „Holzbauinfo“. Daneben gibt es auch Informationen und Hinweise auf einschlägig spezialisierte Architekten, Fachplaner und Holzbaubetriebe. Die Internetplattform ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bau.Genial, Möbel- und Holzbau-Cluster Oberösterreich, ProHolz Tirol, Holzcluster Salzburg und Holzcluster Steiermark.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.holzbauinfo.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Architektur: Lärchenholz, Stroh, Lehm & Design

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.