Gute Gründe: Noch mehr Speck!

Bezirke wie Tulln, Stockerau und Korneuburg sind als Wohngegenden im Kommen: Potenziale und Preise.

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(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Er wächst und wächst und wächst ... Wiens Speckgürtel könnte – in einiger Zeit – bis an die Staatsgrenzen reichen. Das meint etwa Michael Pisecky, Geschäftsführer der s Real Immobilienvermittlung: „Wir rechnen damit, dass die Region Wien–Brünn –Bratislava–Györ einer der stärksten Wirtschaftsräume überhaupt werden wird.“ Umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen würden wesentlich dazu beitragen, dass beispielsweise das Weinviertel zu einem Wachstumsviertel wird. Konkret ist neben dem Bau der Autobahn Richtung Norden auch eine Anbindung an die S1, die Nord-Ost-Autobahn, eine Umfahrung rund um Wien, geplant. „Entlang der neuen Autobahnen werden Betriebsansiedlungen stattfinden“, sagt Pisecky. Und somit Orte wie Mistelbach und Hollabrunn und noch nördlicher gelegene Gemeinden in den nächsten zehn Jahren zu stark nachgefragten Wohngegenden werden.

Aktuell ist von einem Anziehen der Haus- und Grundstückspreise bis hinauf an die tschechische Grenze noch wenig zu bemerken. In den Bezirken Niederösterreichs, die nördlich von Wien liegen, tut sich allerdings bereits jetzt einiges.

„Vor allem die Bezirke Korneuburg und Stockerau haben großes Potenzial“, erklärt Peter Weinberger, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Vermittlung. „Hier sind noch ausreichend freie Flächen vorhanden und die Preise sind im Vergleich zu jenen südlich von Wien moderat.“

Auch das Tullnerfeld dürfte von Infrastrukturmaßnahmen profitieren. Hier soll 2012 die Hochleistungs-Bahn fertig gestellt werden, die es den Bewohnern der Region möglich macht, in weniger als 30 Minuten vom Bahnhof Tullnerfeld zum Stephansplatz zu gelangen. Zusätzlich wird das Nadelöhr Klosterneuburg für den Autoverkehr durch eine Umfahrung entschärft. „St. Pölten ist ebenfalls gerade dabei, einen Speckgürtel zu bilden“, ergänzt Weinberger. In den Gemeinden rund um die niederösterreiche Landeshauptstadt wird verstärkter Zuzug erwartet.


Längere Wegzeiten

Weitere zukunftsträchtige Gegenden liegen im Westen Wiens, etwa bei Neulengbach und Laaben, die mit der Westautobahn und schöner Landschaft punkten können. Was zu den guten Prognosen für solche Regionen beiträgt: „Die Wegzeit zum Arbeitsplatz, die akzeptiert wird, steigt nach unseren Analysen in den nächsten Jahren von etwa 30 auf 45 Minuten“, erläutert Weinberger.

Steigen werden die Immobilienpreise „vor allem in und um die verkehrsgünstig gut angeschlossenen Bezirkszentren“, sagt Michael Pisecky. Und natürlich beeinflussen Nahversorgung, Einrichtungen wie Schulen, Ärzte oder ein Spital die Kostenentwicklung. „Wer etliche Kilometer von diesen Zentren entfernt in ein Dorf ohne Zuganbindung und Bäcker zieht, kann mit Schnäppchen rechnen“, so Pisecky. In solchen Gegenden gebe es nette Häuser bereits ab 100.000 bis 150.000 Euro, während man „zentraler“ gelegen mit 200.000 bis 250.000 Euro rechnen muss.

Besonders stark ist die Nachfrage nach Häusern und Grundstücken etwa in den Bezirken Tulln, Korneuburg, St. Pölten, Klosterneuburg, Krems und Mödling. Baugründe sind im Bezirk Tulln um 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter zu haben, in Korneuburg kostet er bereits 180 bis 230 Euro. In Klosterneuburg (300 bis 350 Euro) und Mödling (220 bis 400 Euro) sind die Bauplätze teurer.

Die Experten erwarten allerdings, dass sich nicht so sehr Einfamilienhäuser, sondern vielmehr der verdichtete Flachbau mit Reihen- und Doppelhäusern in den künftigen Trendregionen durchsetzen wird. Der Wohnungsbau wiederum dürfte weniger am flachen Land, sondern vor allem in den Bezirksstädten Zuspruch finden, „um Alternativen für Singles, ältere Personen und Paare ohne Kinder zu bieten“, so Pisecky.

Zu lesen in der nächsten Ausgabe am 1. März: Grundstücke in den Bundesländern.

AUF EINEN BLICK.

Der Ausbau von Autobahnen und Zugstrecken bringt Leben ins Land rund um Wien. Profitieren werden vor allem Regionen wie Korneuburg, Tulln und Stockerau, mittelfristig auch das Waldviertel. Noch sind Haus- und Grundstückspreise im Vergleich zum Süden Wiens relativ günstig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2008)

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