1970er-Jahre: Das orange Jahrzehnt

Die 1970er-Jahre spendierten der Welt knallige Schreibmaschinen und zeitlose Möbel.

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Man war schon auf dem Mond, jetzt konnte man sich wieder mit dem Heimatplaneten beschäftigen und damit, wie man dort leben soll. Verner Panton hat sich das derart drastisch in Farben und Formen ausgemalt, dass man heute noch denkt, so wären sie gewesen, die 1970er-Jahre. „Visiona 2“ hieß die Rauminstallation, die er 1970 für die Kölner Möbelmesse ablieferte. Fantastisch-knallfarbig, zukunftsoffen. Noch alles vor der großen Ölkrise. Sogar die zweckmäßigsten Dinge wie Schreibmaschinen waren plötzlich so farbig, als wollten sie auf den Laufsteg. Doch die 1970er hatten auch ihre ernsthaft-unbunten Designseiten. Design bot plötzlich nicht nur ästhetisch-funktionalen Diskussionsstoff, nein, Design wurde plötzlich sogar gesellschaftliche Relevanz zugebilligt.

70er-Jahre: Kallfarbige Designs

Victor Papanek, der von Österreich in die USA migriert war, veröffentlichte 1970 eines der angeblich meistgelesenen Designbücher überhaupt, „Design for the Real World“. Zum rechten Zeitpunkt, schließlich hatte die Gestaltung rund um die Mondlandung schon reichlich Bodenkontakt verloren. Papanek forderte die ökologische und soziale Verantwortung der Gestalter ein. Der Massenproduktion stellte er die Gestaltung für Minderheiten gegenüber. Schließlich befriedigte Design schon eher die kommerziellen und ökonomischen Bedürfnisse einiger weniger als die menschlichen Bedürfnisse aller.

Die 70er-Jahre waren ein Gestaltungsjahrzehnt, das noch heute die Branche und Szene durchwirkt. Auch deshalb, weil Möbelhersteller jährlich Jubiläen feiern, deshalb vergangene Entwürfe wieder ausgraben, neu auflegen und die 70er-Jahre in die Schauräume der Gegenwart versetzen. Wie etwa in Form des Sessels „Sinus“ von Cor. Zu seinem 50er beschenkte der deutsche Hersteller die Designenthusiasten mit einer Neuauflage eines Entwurfs, der über typische Eigenschaften eines 70er-Jahre-Möbels verfügte: der Zeit voraus zu sein. Neu aufgelegt und gleichzeitig neu interpretiert wurde auch der „Spaghetti-Chair“, von Giandomenico Belotti im Jahre 1979 entworfen. Der Schweizer Alfredo Häberli setzte sich 2014 wieder mit dem Geflecht aus PVC-Schnüren auseinander. Doch selbst Kunststoff kannte in den 70ern Alternativen: Karton etwa, daraus wurde der „Wiggle Chair“ des Architekten Frank O. Gehry. Andere Entwürfe muss man heute gar nicht erst ausgraben, weil sie so beharrlich sind: „Togo“, das Sofa von Ligne Roset, steht schon mehr als 40 Jahre im Programm.

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