Es liegt was in der Luft...

Lüften: 90 Prozent unserer Lebenszeit verbringen wir in geschlossenen Räumen. Hier einige Tipps, damit uns trotzdem nicht die Luft ausgeht.

(c) APA (DPA)

Nur selten haben wir Einfluss auf die Luftqualität in einem Gebäude, sei es bei der Arbeit, in der Schule oder bei Studium, Weiterbildung, Kultur oder Sport. Doch in den eigenen vier Wänden können wir dafür sorgen. „Gesunde Raumluft sollte möglichst frei von Schadstoffen und Allergenen sein, im je nach Raumnutzung richtigen Temperaturbereich liegen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent aufweisen“, fasst Thomas Schlatte, Sprecher der Plattform „Meine Raumluft“, zusammen.

 

Gesundheitliche Auswirkungen

Saubere Luft ist geruch- und farblos, sie enthält 78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff, 0,03 Prozent Kohlendioxid und 0,93 Prozent Edelgas. In geschlossenen Räumen ist die Luft jedoch oftmals stärker mit Schadstoffen belastet als im Freien. Das kann auf Dauer zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Die Bandbreite der Krankheitssymptome ist groß. „Reizungen der Schleimhäute, der oberen Atemwege, Hautirritationen, Augenentzündungen sind eine Gruppe. Eine andere umfasst unspezifische Befindlichkeiten wie Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit“, erläutert Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien.

Die Innenraumanalytik des Österreichischen Instituts für Baubiologie und -ökologie (IBO) wird immer dann zu Hilfe gerufen, wenn sich etwa die Zahl der Krankenstände in Unternehmen schlagartig erhöht. Oder aber auch, wenn sich Haus- und Wohnungsbewohner innerhalb ihrer eigenen vier Wände nicht so richtig wohlfühlen beziehungsweise unter unklaren Schmerzzuständen leiden. Messtechniker untersuchen dann vor Ort die Raumluft auf Schadstoffe, werten die Proben in Labors aus, evaluieren die Beschwerden der Bewohner und versuchen so, die Ursachen für die Probleme zu finden.

Bernhard Damberger, Umwelttechniker und Chemiker am IBO: „Es kann eine Vielzahl an Belastungen in der Raumluft liegen. Flüchtige organische Verbindungen (VOC), Schimmel und Gerüche sind diejenigen, mit denen wir in der Praxis am häufigsten konfrontiert sind. Ein großes Problem ist der Schimmel in Wohnräumen. Unsere Fenster werden immer dichter, es gibt keine Zirkulation mehr. Jeder weiß, dass regelmäßiges Stoßlüften die beste Vorsorge gegen Schimmelpilzbildung ist. Nur, wer soll das tun? Sind doch alle in der Arbeit!“ In vielen neueren Bauten ist man deshalb dazu übergegangen, „Zwangsbelüftungen“ zu installieren, etwa Ventilatoren in Bad und WC, die über eine externe Anlage gesteuert werden. Zudem sind winzig kleine Schlitze über Fenstern mittlerweile gebräuchlich.

Auch kontrollierte Wohnraumlüftungen stellen eine gute Alternative dar. Raumlufttechniker Ludwig Rüdisser: „Allerdings müssen diese auch regelmäßig gewartet werden. Vor allem auf den Austausch der Filter wird gern vergessen. Dadurch werden Pilzsporen und Keime verstärkt in die Innenräume getragen.“

 

Gefahr im Wohnzimmer

So „prominent“ der Schimmelpilz in der Hitliste der Raumklimazerstörer rangiert, zu den häufigsten Auslösern von gesundheitlichen Problemen innerhalb der eigenen vier Wände zählt er nicht. „Lösungshaltige Wandanstriche, diverse Oberflächenbehandlungen von Böden und Einrichtungsgegenständen, Flammschutzmittel auf Vorhängen und pestizidverseuchte Billigteppiche“, würden uns, ist der Mediziner Hutter überzeugt, weitaus mehr zusetzen. „Sehr oft stellen derlei Belastungen auch eine große Geruchsbelästigung dar. Zum Beispiel, wenn man eine alte Wandfarbe, die bereits gekippt ist, aufträgt. Das riecht dann nach Schwefel. Ähnlich problematisch ist, wenn mit einer lösungshältigen Sanierungsfarbe nicht nur Schimmelflecken, sondern ganze Räume gestrichen werden“, ergänzt Damberger. Auch Formaldehyd wird von den IBO-Experten immer wieder festgestellt. Zwar verzichtet ein Großteil der Hersteller mittlerweile auf den Einsatz dieser chemischen Substanz, diverse Altlasten sind aber noch vorhanden. Damberger: „Zu Grenzwertüberschreitungen kann es auch dann kommen, wenn die Gebäudehülle von Häusern sehr dicht ist und der Luftwechsel nahezu bei null liegt.“ Formaldehyd findet sich nach wie vor auch in einer Vielzahl von importierten Waren. „Jeder kann seine Raumluft verbessern – zum Teil mit einfachsten Mitteln“, so Schlatte. Manchmal würden Zimmerpflanzen ausreichen, manchmal ist aber auch weniger mehr nötig. „Man sollte sich“, so Hutter, „immer bewusst sein, dass alle Stoffe und Substanzen ein Risiko mit sich bringen.“ Das könne man minimieren, indem man beim Kauf von Wandfarben und Einrichtungsgegenständen auf die Qualität oder Umwelt- und Gütesiegel achtet.
www.ibo.at
www.meineraumluft.at
www.rlt-optimierung.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)

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