Kapitalschutz für Sicherheitsorientierte

Kapitalschutzprodukte eignen sich für sicherheitsorientierte Anleger, die eine positive Markterwartung haben. Außerdem sollten sie ihr Geld ein paar Jahre nicht brauchen. Denn die Garantie greift erst am Schluss.

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(c) imago/Hans-G�nther Oed

Wien. Der lange Bullenmarkt bereitet manchem Anleger Kopfzerbrechen. Zwar gibt es gute Gründe für eine Fortsetzung der Aktienmarktrallye – etwa die konjunkturelle Aufhellung in Europa –, doch haben manche Anleger noch in schmerzhafter Erinnerung, wie tief es im Zuge der Finanzkrise bergab ging. Dass es wieder so schlimm kommt, gilt als unwahrscheinlich. Viele Anleger, die jetzt erst in den Markt einsteigen, wollen sich aber absichern. Eine Möglichkeit, das zu tun, sind Kapitalschutzzertifikate. Diese garantieren dem Anleger am Ende einer meist mehrjährigen Laufzeit 100 Prozent Rückzahlung – auch dann, wenn der zugrunde liegende Basiswert (etwa ein Index oder eine Aktie) tief gefallen ist.

Dafür partizipiert man nur begrenzt an einer positiven Entwicklung. Für jene Anleger, die glauben, dass es in den nächsten Jahren an den Börsen weiter steil bergauf gehen wird, sind solche Produkte daher weniger geeignet. Diese Anleger sollten lieber direkt in den Aktienmarkt investieren.

Doch zurück zu den Kapitalschutz- oder Garantiezertifikaten. Die Raiffeisen Centrobank etwa legt ein Papier (ISIN: AT0000A1TXD4) mit dem Basiswert Euro Stoxx Select Dividend 30 Index auf. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis 24. März. Die Laufzeit beträgt acht Jahre, Rückzahlungstermin ist der 28. März 2025. Erst zu diesem Stichtag greift die Kapitalgarantie; will sich jemand vorzeitig von dem Zertifikat trennen, muss er unter Umständen Abschläge in Kauf nehmen.

 

Hoffen auf leichten Anstieg

Der Euro Stoxx Select Dividend 30 Index enthält 30 dividendenstarke europäische Titel, darunter den finnischen Energieversorger Fortum, den deutschen Chemiekonzern BASF, den Versicherer Allianz oder Banken wie BNP Paribas, Société Générale und Banco Santander. Gerade die Bankenbranche scheint sich derzeit von ihrer jahrelangen Underperformance zu erholen; die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie das weiterhin tun wird. Sollte der Index bis zum Laufzeitende um bis zu 35 Prozent steigen, partizipiert der Anleger am Indexanstieg. Sollte der Index fallen, bekommt der Anleger trotzdem 100 Prozent des Nennwerts zurück. Sollte der Index um mehr als 35 Prozent steigen, hätte der Anleger besser direkt in den Index investiert.

Mit einem ähnlichen Produkt (DE000HVB2BF6) der UniCredit kann man auf den Stoxx Europe 600 Health Care setzen. Dessen größte Positionen sind die Schweizer Pharmatitel Novartis und Roche, auch die französische Sanofi und die britischen Konzerne Glaxo Smith Kline sowie Astra Zeneca oder die dänische Novo Nordisk sind stark gewichtet. Die Zeichnungsfrist für das Zertifikat ist bereits abgelaufen, das Papier nur noch auf dem Sekundärmarkt erhältlich. Die Laufzeit beträgt ebenfalls acht Jahre und endet am 10. März 2025. Sollte sich der Index positiv entwickeln, erhält man den Nennbetrag zurück plus bis zu 40 Prozent. Sollte der Index in den acht Jahren stärker gestiegen sein, gibt es ebenfalls nur 40 Prozent. Sollte der Index jedoch ins Minus gerutscht sein, bekommt man trotzdem sein Geld (bzw. den Nennwert) zurück.

 

Kein Inflationsschutz

Wer sollte in solche Produkte investieren? Die Antwort lautet: sicherheitsorientierte Anleger, die grundsätzlich an eine positive Wertentwicklung der Märkte glauben, sich aber nach unten absichern wollen. Wer mit fallenden Märkten rechnet, sollte von solchen Produkten die Finger lassen: Denn wer nach acht Jahren nur sein Geld zurückerhält (eventuell sogar minus Ausgabeaufschlag), verliert real. Auch sollte man das Emittentenrisiko beachten: Geht die Bank pleite, verliert man auch. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2017)

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