Berichtssaison sorgt für einige Überraschungen

Nicht nur die Quartalsergebnisse, auch die Marktreaktionen fielen in der vergangenen Woche teilweise unerwartet aus.

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Themenbild: Insiderhandel – (c) APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLATT

Wien. Insiderhandel – also das Ausnützen von Informationen über börsenotierte Unternehmen, die noch nicht öffentlich bekannt sind, zum eigenen Vorteil – ist verboten. Vielfach würde es aber auch gar nichts helfen, die Quartalszahlen im Voraus zu kennen. Denn auch die Marktreaktionen sind nicht immer vorhersehbar. Das zeigt sich auch in der Berichtssaison für das zweite Quartal, die voll angelaufen ist. Bis dato fiel diese vor allem gemischt aus – mit einigen Überraschungen, die für deutliche Kursbewegungen sorgten.

So legte die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas – dem ohnehin schon besten DAX-Wert in den vergangenen Monaten – am Freitag im Tagesverlauf um zeitweise neun Prozent auf ein neues Rekordhoch zu. Dabei hatte man durchaus erwartet, dass das Herzogenauracher Unternehmen Umsatz und Gewinn weiter steigern würde. Was die Anleger überraschte, war jedoch das starke Plus und der verbesserte Ausblick: Adidas will im Gesamtjahr den Umsatz um 17 bis 19 Prozent steigern – um fünf Prozentpunkte stärker als bisher angenommen, der Gewinn soll mit 26 bis 28 Prozent sogar fast doppelt so stark zulegen.

Die erfolgsverwöhnten Gafam-Aktionäre (das Kürzel steht für die Technologieaktien Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) sahen sich ebenfalls mit Überraschungen konfrontiert. Positiv war diese für die Facebook-Anteilseigner: Dank weiterhin steigender Werbeeinnamen konnte das soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg den Gewinn um 71 Prozent auf 3,89 Mrd. Dollar (3,34 Mrd. Euro) und den Umsatz um 45 Prozent auf 9,32 Mrd. Dollar steigern. Die Aktie kletterte auf ein neues Rekordhoch.

 

Rückgang erwartet, Aktie fällt

Google-Mutter Alphabet enttäuschte jedoch. Dabei war der Gewinn wegen der (noch nicht rechtskräftigen) milliardenschweren EU-Kartellstrafe „nur“ um 28 Prozent auf 3,5 Mrd. Dollar eingebrochen und damit weniger schlimm als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg, und zwar um 21 Prozent auf 26 Mrd. Dollar. Möglicherweise störte die Anleger, dass der Erlös pro Klick auf Werbeeinnahmen zurückgegangen ist, was Google nur durch mehr Klicks kompensieren konnte. Auch dieser Trend ist jedoch nicht neu. Viele Anleger trennten sich dennoch nach Veröffentlichung der Zahlen von ihren Alphabet-Aktien.

Amazon schreckte die Anleger mit einem Gewinneinbruch von 77 Prozent auf 197 Mio. Dollar. Doch stieg der Umsatz um 25 Prozent auf 38 Mrd. Dollar, und dass Amazon Wachstum wichtiger ist als Gewinne, ist nicht neu. Dennoch straften die Anleger die Aktie ab und nahmen Amazon-Gründer Jeff Bezos den Titel des reichsten Mannes der Welt, den er einen Tag lang innehatte, vorerst wieder weg.

Besonders schlimm erwischte es jedoch den britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca. Nach einem Rückschlag bei einer wichtigen Lungenkrebsstudie gab die Aktie an der Londoner Börse mehr als zweistellig nach. Der überraschend starke Gewinnanstieg änderte daran auch nichts.

Die Zahlen des US-Mobilfunkanbieters Verizon kamen dafür sehr gut an: Das Unternehmen konnte den Umsatz zwar nur leicht steigern, doch handelte es sich um das erste Plus seit vier Quartalen. Vor allem mit Angeboten, die unbegrenztes Datenvolumen bieten, punktete Verizon. Das gefiel den Anlegern so gut, dass die Aktie nach der Zahlenvorlage um zeitweise sieben Prozent anzog. (b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2017)

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