Aufpassen, wem man sein Geld borgt

Anleihen. Im Schnitt sind Ratings relativ treffsicher– nur nicht kurz vor dem Ausbruch von Finanzkrisen.

GERMANY RATINGS EFSF DOWNGRADE
GERMANY RATINGS EFSF DOWNGRADE
Rating – EPA

Wien. Triple A, Double B oder doch Zahlungsausfall? Wer Anleihen kauft, tut gut daran, nicht nur auf die Rendite zu achten, sondern sich auch ein Bild vom Ausfallrisiko zu machen. Am leichtesten ist das, wenn der Staat oder das Unternehmen, dem man Geld borgt, ein Rating hat.

Das ist eine Bonitätsnote von einer Ratingagentur. Die beste lautet AAA, gefolgt von AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC und schließlich C oder D. Letzteres bedeutet Zahlungsausfall. Wenn ein Emittent dieses Rating verpasst bekommt, ist es meist zu spät. Dann hätte man die Anleihe lieber nie gekauft. Doch was bedeuten die anderen Ratings?

Die Schoellerbank hat die Treffsicherheit der drei großen Ratingagenturen Standard& Poor's, Moody's und Fitch analysiert. Tatsächlich zeigt sich: Je schlechter das Rating, desto häufiger kam es zu einem Zahlungsausfall. Grundsätzlich gilt: Bei A-Ratings ist das Ausfallrisiko vernachlässigbar, auch bei BBB ist es noch relativ gering.

Alles darunter gilt nicht mehr als „Investmentgrade“; das bedeutet, dass viele Fonds und Versicherungen, die ihren Kunden hohe Sicherheit versprechen, dort nicht mehr investieren. Hatte ein Unternehmen das Rating BB (das trifft derzeit etwa auf Renault oder Lafarge zu), kam es in der Vergangenheit nach fünf Jahren in zehn Prozent der Fälle zu einem Zahlungsausfall. Nach zehn Jahren betrug die Ausfallquote bereits 20 Prozent, nach zwanzig Jahren fast 40 Prozent.

 

Schlechte Aussichten für C

Dann geht es steil nach oben: Hat ein Emittent das nächstschlechtere Rating, B, beträgt die Ausfallwahrscheinlichkeit nach fünf Jahren fast 30 und nach zehn Jahren fast 50 Prozent. Wer sich von den höheren Renditen verlocken lässt, und eine Anleihe mit C-Rating erwirbt, muss damit leben, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit bereits in den ersten fünf Jahren höher als fünfzig Prozent ist. Nach zehn Jahren liegt sie bereits bei 80 Prozent.

 

Agenturen zögern oft

Die Experten haben sich auch angesehen, wie schnell die Agenturen ein Ausfallrisiko erkennen. Im Schnitt wird das Rating drei Jahre vor dem Ausfall von BB auf B gesenkt. Die Abstufung in den C-Bereich erfolgt erst relativ spät. „Im Extremfall einer Finanzkrise“ würden derlei Statistiken aber jede Aussagekraft verlieren, schreibt Schoellerbank-Experte Stefan Traunmüller.

Bereits in den Jahren vor der Finanzkrise, die 2008 mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eskalierte, hätten die Ratingagenturen die Probleme bei einigen Unternehmen zu spät erkannt, etwa bei Enron, Worldcom oder Parmalat. „Noch eklatanter war die Fehleinschätzung bei Island, das noch wenige Monate vor dem Kollaps des Bankensystems ein AAA-Rating bei Moody's vorzuweisen hatte.“ Nach welchen Kriterien die Ratingagenturen genau vorgehen, wissen nur sie selbst. Analysten, die die Ratings nachzuvollziehen versuchen, kamen jedoch zum Schluss, dass die Agenturen oft spät reagieren– und zwar in beide Richtungen. Mit einem Up- oder Downgrading zögern sie oft.

Ein weiteres Problem ist, dass die großen Ratingagenturen viele Unternehmen gar nicht bewerten. Einige deutsche Mittelständler verfügen über Ratings von kleineren Anbietern wie Creditreform, Scope oder Euler Hermes. Diese Ratings waren in der Vergangenheit oft zu gut, zeigt die Analyse. Unternehmen mit Ratings von BB oder BBB hatten eine Ausfallhäufigkeit, die dem Rating B entsprochen hätte. Doch was tut man, wenn eine Anleihe gar kein Rating hat, wie das bei vielen heimischen Unternehmen der Fall ist? Dann bleibt einem nur die Meinung von Analysten. Die sollte man auch dann hinzuziehen, wenn es ein Rating gibt. Auf Basis eines Ratings allein sollte man keine Kaufentscheidung treffen, rät Traunmüller.

Für Kleinanleger ist es generell riskant, einzelne Anleihen zu kaufen. Denn kommt es zu einem Ausfall, verliert man das ganze Geld. Sicherer ist es, in mehrere Anleihen oder einen Fonds zu investieren. Dann können die Ausfälle der einen von den Renditen der anderen Anleihen kompensiert werden.

 

BB bringt am meisten

Das beste Rendite-Risiko-Verhältnis haben Anleihen mit dem Rating BB, wie Alexander Fleischer, Bereichsleiter für Anleihenfonds bei der Erste Asset Management, kürzlich aufzeigte. Dieses Rating gilt nicht mehr als „Investmentgrade“. Viele institutionelle Anleger dürfen in solche Anleihen nicht mehr investieren und fallen als potenzielle Investoren aus. Firmen mit BB müssen daher deutlich höhere Zinsen zahlen als solche mit BBB, obwohl der Unterschied beim Ausfallrisiko gar nicht so hoch ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2014)

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