Kredit ganz ohne Klemme

Auch wenn Experten nicht von einer klassischen Kreditklemme sprechen wollen, ist es für kleinere Betriebe schwerer geworden, sich Geld zu leihen. Ein paar Tipps, die es leichter machen.

Kreditvertrag
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Erwin Wodicka - BilderBox.com

Wenn heimische Klein- und Mittelunternehmen (KMU) Geld brauchen, ist die erste Adresse nach wie vor die Bank. Doch wie leicht ist es für KMU heute, zu einem Kredit zu kommen? Laut Experten der WKO, des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) gibt es in Österreich zwar keine klassische Kreditklemme, „im Einzelfall kann es aber durchaus zu Schwierigkeiten kommen“, relativiert WKO-Experte Erich Kühnelt. Laut Wifo-Konjunkturtest vom Februar 2013 erhielt rund ein Fünftel der KMU, die Bedarf hatten, keinen Bankkredit. Ein Drittel musste nach eigenen Angaben eine geringere Kredithöhe als gewünscht oder schlechtere Konditionen als erwartet akzeptieren. „Kleinere Unternehmen schätzen die Lage tendenziell schlechter ein als große. Es gibt aber schon strukturelle Unterschiede bei der Kreditvergabe an große und kleine Unternehmen“, erläutert Werner Hölzl, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wifo.

Verschärfte Lage

Die verschärften EU-Eigenkapitalanforderungen an Banken und die Basel-III-Bestimmungen bringen heimische KMU in die Bredouille. Laut Wifo würden vor allem kleinere, regionale Banken ihre Kredite an Unternehmen einschränken und sich dafür auf den Privatbereich konzentrieren, um ihr Risiko zu begrenzen. Darüber hinaus sind die Banken strenger, wenn es um die Bonität potenzieller Kreditnehmer geht, womit KMU einen weiteren Nachteil haben. Denn die Bonität hängt wesentlich von der Eigenkapitalausstattung ab, die in kleineren Unternehmen geringer ist als in großen. Allerdings gibt es hier eine positive Entwicklung. „Die Eigenkapitalquote der KMU ist in den vergangenen Jahren gestiegen und mit durchschnittlich 28 Prozent vergleichsweise hoch“, berichtet Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria. Außerdem ist Eigenkapital allein nicht alles. Auch Soft Facts wie Managementqualitäten und Zukunftsvisionen beeinflussen die Bonität.

Mit offenen Karten spielen

Kühnelt rät KMU mit Kreditbedarf, zuerst bei der Hausbank anzufragen. „Eine langjährige Geschäftsbeziehung ist förderlich“, weiß der WKO-Experte. Auf das Kreditgespräch sollte man sich penibel vorbereiten, sich über die Bonitätskriterien informieren und die erforderlichen Daten nach dem letzten Stand professionell aufbereiten. Eine Analyse der Standardkennzahlen und der Soft Facts im Vorfeld kann vor unangenehmen Überraschungen schützen. „Wesentlich ist, dass das KMU das Geschäftsmodell gut erklärt“, sagt Gregor Deix, der bei der Erste Bank den Bereich Firmenkunden leitet. Dazu gehören nicht nur Informationen über Organisation, Produkte, Zahlungsströme, Marktchancen und Strategie, sondern auch über den Umgang mit Risken. „Man soll ein möglichst realistisches Bild zeichnen und ja nichts vormachen“, warnt AWS-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. In dasselbe Horn stößt Deix: „Auch wenn es mühsam ist, für aktive Informationspolitik gibt es ein großes Plus.“ Für Jungunternehmer läuft ohne stichhaltigen Businessplan gar nichts. Viele Förderstellen bieten online Hilfe bei dessen Erstellung an. Besonders Ein-Personen-Unternehmen können bei der Vorbereitung auf das Kreditansuchen an ihre Grenzen stoßen. „Ich kann hier nur den Tipp geben, sich frühzeitig helfen zu lassen“, empfiehlt Deix.

Um die Chancen auf einen Kredit zu verbessern, kommen entweder Sicherheiten oder Förderungen infrage, wobei man für viele Förderungen auch einen hohen Eigenmittelanteil braucht. Die Instrumente reichen von zinsengünstigen Krediten über Zuschüsse bis zu Haftungen und Garantien, bei denen der Staat im Ernstfall für den Kredit einspringt. „Haftungen von der öffentlichen Hand sind interessanter geworden“, so Kühnelt. Je nach Bundesland und Branche gibt es verschiedene Förderungen, die auch kombiniert werden können. Man sollte sich nicht scheuen, den Bankberater um Hilfe zu bitten. Beratung gibt es auch bei den Wirtschaftskammern im jeweiligen Bundesland.

Ablehnung ernst nehmen

Wenn eine Bank den Kredit ablehnt, ist das Schicksal keineswegs besiegelt. „Man sollte unbedingt bei mehreren Banken anfragen. Es gibt durchaus Institute, die ein gewisses Risiko eingehen“, so Markus Roth,

Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Österreich.
AWS-Chef Sagmeister rät KMU jedoch, die Rückmeldungen der Banken und Förderstellen ernst zu nehmen. „Während der Unternehmer vielleicht zum ersten Mal mit einer Fremdfinanzierung zu tun hat, haben diese Stellen das schon hundertmal gemacht und können qualifiziertes Feedback geben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe vom 17.4.2013 )

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