Studie: Aktive Fonds schlagen nicht den Markt – auf lange Sicht

Der älteste US-Fonds schafft seit 1925 weit weniger Rendite als der Index. Nur kurzfristig übertreffen aktiv gemanagte Fonds die Benchmark.

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Themenbild: Wallstreet – (c) Bilderbox

Boston. Kevin Beatty kann eine lange Sichtweise bei Investments einnehmen. Dreiundneunzig Jahre, um genau zu sein. Von Boston aus managt er den ältesten Investmentfonds Amerikas, wenn nicht gar der ganzen Welt. Seit seiner Eröffnung in den 1920er-Jahren hat der Massachusetts Investors Trust 16 Rezessionen, etwa 20 Bärenmärkte und noch Schlimmeres überstanden. Was ihm allerdings nicht gelungen ist: den Aktienmarkt langfristig zu schlagen.

Sicher, der Fonds hatte viele gute Jahre. So übertrifft Beatty beispielsweise den S&P 500 Index für 2017. Doch über die gesamte Lebenszeit des Fonds betrachtet liegt er hinter dem breiten US-Aktienmarkt zurück. Das ist eine ernüchternde Erkenntnis für aktive Vermögensverwalter, die in der heutigen Zeit mit dem unerbittlichen Aufstieg von passiven Anlagestrategien und Computeralgorithmen zu kämpfen haben.

 

257.000 Prozent zu 673.000

Von den späten 1920er-Jahren bis Juli 2017 hätte ein Index aus den größten US-Aktien eine kumulative Rendite von rund 673.360 Prozent erzielt. Der Massachusetts Investors Trust brachte indes nur einen Ertrag von 256.766 Prozent. Es ist aber kein ganz sauberer Vergleich: In den Anfangstagen gab es noch keinen der Indizes, denen Investoren heute vertrauten. Der S&P 500 wurde erst in den 1950er-Jahren eingeführt. Allerdings verfolgt ein Ersatzindex des Fondsbeobachters Morningstar die größten US-Firmen bis 1926 zurück – und damit fast bis zum Start des Massachusetts Investors Trust.

Fondsmanager Beatty fühlt die Last der Geschichte auf sich. Der 66-Jährige leitet den 6,3 Mrd. schweren Fonds seit Juli 2004 und hat dabei eine mittlere jährliche Rendite von 8,7 Prozent erzielt. Das ist, immerhin, ein wenig mehr als die 8,3 Prozent beim S&P 500.

Trotzdem sind rund 770 Mio. Dollar im vorigen Jahr aus dem Fonds abgeflossen. In den vergangenen 15 Jahren waren es sogar 7,5 Mrd. Dollar. Das spiegelt den Trend hin zu billigeren, passiven Investmentfonds wider. Als die Vanguard Group vor vier Jahrzehnten damit begann, Indexfonds anzubieten, schien die Idee zunächst verrückt zu sein. Heute steckt mehr als ein Drittel aller Aktiva in den USA in solchen passiven Fonds. Was viele Experten durchaus für richtig halten. Am vorigen Dienstag veröffentlichte Morningstar eine Studie, aus der klar hervorgeht: Auf lange Sicht machen Investoren ein besseres Geschäft, wenn sie die kostengünstigen passiv investierenden Fonds kaufen.

 

Anleger ziehen Gelder ab

Auch aktiv investierende Anleihefonds mit mittlerer Laufzeit, die im Laufe dieses Jahres ihre Benchmarks überwiegend geschlagen haben, hinken ihren Passiv-Pendants nach zwei Jahrzehnten hinterher. Die passiv investierenden Index-Investmentfonds und börsengehandelte ETFs locken mit niedrigen Gebühren und besserer Performance. In den USA haben sie laut Morningstar in den letzten zwölf Monaten über 700 Mrd. Dollar in passive Investmentfonds gepumpt, während gleichzeitig 214 Mrd. Dollar aus aktiv investierenden Fonds abgezogen wurden.

Auf Einjahressicht ist es den meisten aktiv gemanagten Fonds allerdings gelungen, ihre Benchmark zu schlagen. Am besten hielt sich die Kategorie Emerging Markets, wo 61 Prozent der Fonds besser waren als der Index. Am schwersten taten sich Fonds, die auf große US-Wachstumsfirmen spezialisiert waren. Nur 42 Prozent schlugen ihre Benchmark. Auf Fünf- und Zehnjahressicht blieben die Fonds, die besser waren als der Markt, generell in der Minderheit. In den Büros von Beattys Firma kann sich der Umbruch in der Investmentbranche weit weg anfühlen. Im Eingangsbereich stehen alte Papierregister. Sie legen Zeugnis ab von einer langen Geschichte und einer dauerhaften Verpflichtung zu aktivem Management. Und sie wirken seltsam veraltet – nicht nur wegen der Einträge in kursiver Schrift. (Bloomberg/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2017)

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