Wie schlau kann ein Fonds ohne Manager sein?

„Smarte“ ETFs bilden nicht bloß einen Index nach, sondern wenden weitere Kriterien an. Nicht immer ist das wirklich schlauer.

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Themenbild: Fondmanager – (c) APA/AFP/INDRANIL MUKHERJEE (INDRANIL MUKHERJEE)

Wien. Manche Anleger sind der Ansicht, ein durchschnittlicher Kleinanleger könne nie so viele Aspekte bei der Aktienauswahl berücksichtigen wie ein internationales Team aus Analysten und Fondsmanagern. Deswegen übertragen sie die Aufgabe der Aktienauswahl einem Fondsmanager.

Anderen wiederum scheint die These der Markteffizienz plausibel: Diese besagt, dass in den Aktienpreisen stets alle Informationen enthalten sind, die es auf dem Markt gibt. Das hätte zur Folge, dass gute Aktien stets teuer wären und billige stets schlecht. Welche sich in Zukunft besser entwickeln, ließe sich nicht vorhersagen. Solche Anleger investieren lieber in einen ETF („Exchange Traded Fund“, börsengehandelter Fonds). Dabei handelt es sich meist um einen Fonds, der einfach nur einen Index nachbildet. Dadurch spart man Gebühren für das Fondsmanagement. Und welche Werte im Index sich gut schlagen und welche nicht, könnte man im Vorhinein nicht wissen, wenn der Markt tatsächlich effizient wäre.

Nun liegt die Wahrheit wohl in der Mitte: Hat ein Unternehmen mit Problemen zu kämpfen und sieht es so aus, als seien die Probleme noch gar nicht vollumfänglich bekannt, tut man vielleicht gut daran, von der Aktie die Finger zu lassen, bis mehr Klarheit herrscht. Oder wenn ein Unternehmen chronisch höhere Dividenden ausschüttet, als es überhaupt Gewinne schreibt. Oder wenn Konkurrenten auf den Plan treten, die attraktivere Produkte haben.

 

Kriterien aussuchen

All das wird oft nicht gleich im Aktienpreis widergespiegelt, sondern nach und nach. Welchen dieser Faktoren man besonders wichtig findet, ist freilich Geschmackssache. Für Anleger, die eine klare Meinung haben, nach welchen Kriterien sie veranlagen wollen, gibt es „Faktor-ETFs“ oder „Smart Beta ETFs“.

Dabei handelt es sich um Fonds, die nicht bloß einen Index nachbilden, sondern nach weiteren Kriterien vorgehen, etwa nach der Marktkapitalisierung, der Dividendenrendite, dem Vorhandensein von Gewinnen, den Wachstumsaussichten etc. Diese Kriterien werden dann strikt und automatisch befolgt, und man braucht ebenfalls keinen Fondsmanager.

Allerdings sollte man berücksichtigen, dass Faktor-ETFs, verglichen mit herkömmlichen Fonds, zwar noch immer relativ kostengünstig sind, aber nicht mehr so günstig wie ETFs, die einfach nur einen Index nachbilden. Und je detaillierter die Kriterien sind, desto weniger Werte enthält der Fonds und desto geringer ist die Streuung.

Und ob die Anwendung bestimmter Kriterien tatsächlich in jedem Fall so „smart“ ist, ist fraglich; schließlich kann es für eine geringe Dividendenrendite oder einen zwischenzeitlichen Verlust auch gute Gründe geben. Das zu beurteilen, dazu braucht man dann doch wieder einen Menschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2018)

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