Rainhard Nowak: "So gestopft bin ich auf gar keinen Fall"

Schauspieler und Kabarettist Reinhard Nowak spricht über Loser-Rollen, Neid-Postings auf Facebook - und erklärt, warum er in Finanzdingen niemandem vertraut.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Sie spielen in Filmen und Kabarettprogrammen oft Loser. Was ist an denen interessant?

Reinhard Nowak: Ich finde sie interessanter als Helden. Der „Traumschiff“-Kapitän, dem alles gelingt– wie viele Helden gibt es schon im realen Leben? Man erreicht auch mehr Leute: Man identifiziert sich leichter mit einem, dem es auch nicht besser als einem selbst geht, der patschert ist. Was nicht heißt, dass ich das mein Leben lang spielen möchte. Ich würde auch gern einen Kommissar spielen.

Haben Sie das schon irgendwo deponiert?

Ja, aber in Österreich wird man leicht in eine Schublade gesteckt. Wenn man einmal einen Polizisten gespielt hat und ein tolles Kapperl-Gesicht hat, wird man für die nächste Polizistenrolle engagiert. Das ist manchmal wenig kreativ von den Verantwortlichen. Man könnte durchaus des Öfteren gegen den Typ besetzen. Natürlich weiß ich nicht, ob ich es glaubwürdig schaffen würde, eine Jean-Claude-Van-Damme-Rolle zu übernehmen, der einen Banküberfall auflöst und 48 Geiseln befreit mit Karate. Aber leicht gegen den Typ besetzen geht immer.

Spielen Sie lieber Leute mit Geldsorgen als Reiche?

Bei den „Lottosiegern“ habe ich ja einen Reichen gespielt, da hatte ich andere Sorgen, nämlich den Reichtum zu verheimlichen. Es ist ja witzigerweise in Film und Fernsehen so, dass sich Leute in eine Traumwelt hineinversetzen wollen: die Superreichen auf dem Traumschiff, und selbst sitzt man auf 47 Quadratmetern mit Klo am Gang. Ich weiß gar nicht, ob es das überhaupt noch gibt. Als ich zu Hause ausgezogen bin, war ich in einer 37,5-Quadratmeter-Wohnung mit Klo am Gang. Die hat damals nur 300 Schilling Miete gekostet. Als ich ausgezogen bin, habe ich aber auch schon 1300 Schilling Miete bezahlt. Das ist heute lächerlich wenig, 100 Euro Monatsmiete.

Wenn Sie im Lotto gewinnen, würden Sie das verheimlichen?

Der eigenen Familie nicht. An die große Glocke hängen würde ich es aber auch nicht. Da wäre der Neid noch größer. Es ist absurd, was auf Facebook abgeht. Wenn man einen Kommentar zu einem ausländerfeindlichen Posting abgibt, heißt es gleich: „Ihr Schauspieler sitzt ja alle in Villen im 13. Bezirk.“ Was natürlich völlig schwachsinnig ist, denn so gestopft bin ich auf gar keinen Fall. Ich lebe in einer normalen Wohnung im 20. Bezirk, und so viel Geld bleibt mir nicht übrig, dass ich mir das leisten könnte mit meinen Drehtagen und meiner Gage.

Wie viele Drehtage haben Sie im Jahr?

Das ist unterschiedlich. In guten Zeiten, als ich „Kaisermühlen Blues“ und diverse Filme gleichzeitig drehte, hatte ich bis zu 70 Drehtage. Aber es gab auch Durststrecken. Zwischen „Dolce Vita“ und den „Lottosiegern“ sind fünf, sechs Jahre vergangen, in denen es fast nichts gab, oder nur Gastrollen in „Soko Donau“. Durch die „SuperNowak“-Geschichte auf Puls4 sind es wieder mehr. Das ist schwer zu planen. Zum Glück mache ich Kabarett, da weiß ich, wie viele Vorstellungen ich habe. Toll wäre ein Werbeauftrag, da kann man dann seine Steuern zahlen. Steuern und Sozialversicherung fressen viel. Das ist schwer einzuteilen, wenn man so schlecht mit Geld umgeht wie ich.

Sie können das noch immer nicht abschätzen, wie hoch die Steuer ausfallen wird?

Nein, ich bin da auch zu schlampig. Wir haben es einmal mit einer Haushaltskassa probiert, das schaffe ich nicht. Mir ist schon die vierteljährliche Steuererklärung zu mühsam. Und das Steuersystem ist sowieso ein Wahnsinn.

Inwiefern?

Ab 60.000 Euro zahlt man schon 50 Prozent. Aber die wirklich Reichen können es sich ja richten. Und mir kommen sie wegen was weiß ich welcher Beträge.

Mittlerweile werden Sie wohl etwas auf der Seite haben, um nicht in arge Geldnöte zu geraten?

Nicht wirklich viel. Was ich auf der Seite gehabt habe, habe ich durch die Finanzkrise verloren oder aufgebraucht. Ein bisschen was spare ich noch für die Lebensversicherung oder Pension. Ich habe vor einem Jahr den Pensionsbescheid bekommen. Ich würde, wenn ich jetzt in Pension ginge, mit 51, so etwa 823 Euro bekommen. Brutto. So viele Jahre sind es ja nicht mehr.

Wie haben Sie während der Finanzkrise Geld verloren?

Ich hatte für meine Verhältnisse viel Geld verdient, weil ich bei einer Römerquelle-Werbung mitgemacht habe. Also habe ich Vermögensberater kontaktiert. Die haben das veranlagt in Investmentfonds, Meinl und noch etwas, das in die Brüche gegangen ist. 40.000 Euro waren weg. Jetzt lasse ich die spekulativen Sachen. Damit kenne ich mich zu wenig aus, und jemand anderem zu vertrauen lasse ich lieber. Die sind ja selbst eingefahren. Das war so abrupt und unvorhersehbar, dass die Finanzexperten das selbst nicht gecheckt haben.

 Wie ist es Ihnen damit gegangen?

Ich habe mich geärgert, dass man mir das nicht früher gesagt hat. Aber der Berater hat halt viele Kunden, und alles im Überblick zu haben, stelle ich mir auch schwer vor.

Jetzt liegt Ihr Geld auf dem Sparbuch?

Na ja, ich habe wieder so eine Art Lebensversicherung. Bei einer Kabarett-Tour haben sie mir wieder etwas aufgeschwatzt und gesagt: „Das ist staatlich.“ Aber die staatliche Prämie wurde dann gesenkt. Das kriege ich nächstes Jahr heraus. Und dann habe ich noch so etwas.

Sie sind nicht zufrieden mit der Beratung, greifen aber doch immer wieder darauf zurück?

Ich brauche irgendjemanden, weil ich es selbst nicht kann. Zur Ruhe setzen kann ich mich mit den Beträgen auch nicht.

Sie müssen immer strampeln?

Seit sechs, sieben Jahren ist es schwerer. Alles ist teurer geworden, die Gagen sind aber nicht höher. Ein extremes Strampeln ist es nicht, aber es ist nicht so, dass mir viel übrig bleibt und dass ich mir locker einen Monat Urlaub mit der ganzen Familie in Thailand leisten könnte.

Wollten Sie schon als Kind Schauspieler werden?

In der Volksschule habe ich Bankräuber als Berufswunsch angegeben, weil ich mir gedacht habe, da brauche ich nicht viel tun und habe dann viel Geld. Das hat mit einer Vorladung geendet. Dann war ich in der HTL, Maschinenbau. Später habe ich Theaterwissenschaften studiert, war Komparse in der Josefstadt und bin über den Roland Düringer, den ich von der Schule gekannt habe, zur Kabarettgruppe Schlabarett gekommen.

Sie haben eine siebenjährige Tochter. Wenn sie einmal sagt: „Ich will Kabarettistin werden“, würden Sie das begrüßen oder sagen: „Lern was Gescheites“?

Wir haben das schon thematisiert. Ich habe gesagt: „Werde Tierärztin, Zahnärztin, etwas, mit dem du Geld verdienst und uns im Alter eventuell erhalten kannst.“ Wenn sie wirklich den Wunsch hat, soll sie es probieren, aber ich würde es ihr eher ausreden, denn da braucht man so viel Glück, Talent natürlich auch, und selbst dann ist es schwer. Wenn ein Schauspieler sagt, ich mache das nicht für das Geld, warten zehn andere. Der Markt ist nicht so groß.

Haben es junge Schauspieler und Kabarettisten schwerer?

Ja, man hat in der Wirtschaftskrise gemerkt, dass weniger Leute ins Kabarett gegangen sind. Veranstalter überlegen zwei Mal, ob sie wen nehmen, der nicht so bekannt ist. Firmengalas hat es vor sieben, acht Jahren auch mehr gegeben. Das ist halt kein gutes Renommee, wenn eine Firma spart, und dann wird für so etwas Geld hinausgehaut. Auch der Markt für Kinofilme in Österreich ist klein. Da nimmt man doch immer wieder jemanden, der schon Erfolg gehabt hat.

ZUR PERSON

Reinhard Nowak (* 1964) begann seine kabarettistische Laufbahn bei der Gruppe Schlabarett (mit Alfred Dorfer, Roland Düringer, Andrea Händler). Später startete er eine Solokarriere, war im Ensemble des Kabarett Simpl und spielte in zahlreichen Filmen („Muttertag“, „Hinterholz 8“, „Poppitz“) und TV-Serien („Kaisermühlen-Blues“, „Dolce Vita“, „Die Lottosieger“). Sein aktuelles Kabarettprogramm, „Das Wunder Mann“, läuft an zahlreichen Bühnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2015)

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