Christian Halper: "Jeder Verlust ist ein Gewinn an Erfahrung"

Christian Halper ist Mitgründer der Investmentgesellschaft Superfund. Heute betreibt er vegetarische Restaurants. Mit der "Presse" sprach er über Alba-Trüffel und Bitcoin und erklärt, wie man in Krisen gelassen bleibt.

(c) Stanislav Jenis

Die Presse: Sie sind Mitgründer der Investmentgesellschaft Superfund. Inzwischen sind Sie Inhaber eines vegetarischen Restaurants. Ist das nicht ein sehr radikaler Wandel?

Christian Halper: So sehe ich das nicht. Diese beiden Themen haben vieles gemeinsam: Ich lasse mich von Themen begeistern, die innovativ sind, mir sinnvoll erscheinen und Potenzial haben, das noch von wenigen als solches erkannt wird.

Was war der Grund für diesen Wechsel?

Im Leben gibt es viele Zyklen. In der Zeit bei Superfund, die mich sehr inspiriert hat, habe ich parallel andere Interessen entdeckt und gesehen, dass ich diese nur wahrnehmen kann, wenn ich mehr Zeit investiere und mich aus dem operativen Geschäft bei Superfund zurückziehe. Investiert bin ich ja noch immer. Mit Christian Baha (Superfund-Eigentümer, Anm.) verbindet mich eine enge Freundschaft.

Der Verkauf Ihrer Superfund-Anteile an Baha soll Ihnen viel Geld gebracht haben. Mit dem Geld haben Sie dann ein vegetarisches Restaurant gegründet. Wieso?

Ich habe gesehen, dass es selten eine gute vegetarische Küche gibt, das Bedürfnis danach aber schon. Vegetarisches Essen schmeckt gut und ist eine Bereicherung des Speiseplans. Immer, wenn ich vegetarisch gegessen habe, habe ich mich nachher wohlgefühlt, gut geschlafen, gut geträumt. Nach Geschäftsessen mit Steak ging es mir nicht so gut. Heute haben wir mit Tian als einem von vier vegetarischen Restaurants weltweit einen Michelin-Stern und drei Hauben.

Gibt es eine Hemmschwelle, für vegetarisches Essen mehr zu bezahlen?

Es gibt sicher Menschen, die das so sehen. Aber vegetarische Speisen, die hochwertig sind, haben ihren Preis. Ich denke da an die weißen Alba-Trüffel im Herbst oder frische Morcheln im Frühling. Vegetarisch heißt nicht automatisch billig.

Sind Sie selbst Vegetarier?

Ja, seit März 2012. Ich hatte davor schon den vegetarischen Anteil erhöht. Heute, als reiner Vegetarier, fühle ich mich wohl, und es geht mir nichts ab.

Was wollten Sie als Kind werden? Auch Fondsmanager oder Wirt?

Das Erste, an das ich mich erinnern kann, war Lokomotivführer. Dann habe ich mich auch intensiv mit Solarzellen beschäftigt. Ich fand das toll und habe mich gefragt, warum man das nicht mehr nützt. Ich musste dann feststellen, dass es schwierig ist, so etwas selbst zu erzeugen ohne Industrie. Nachdem ich Solarradios, Solarautos und kleine Solarventilatoren gebaut habe, habe ich irgendwann gesehen, das ist ausgereizt, mehr kann ich gerade nicht machen. Für eine Solarindustriefirma reicht es nicht. Dann habe ich mich mit dem Programmieren beschäftigt.

Wie sind Sie zu Superfund gekommen?

Ich habe an der TU Wien Nachrichtentechnik studiert. Mein Onkel war damals Börsenmakler an der Wiener Börse. Im Sommer habe ich einen Monat lang reingeschnuppert und gesehen, das ist auch interessant. So hat sich der Börsenhandel parallel zum Studium entwickelt. Am Ende des Studiums gab es drei Möglichkeiten: das, was ich studiert habe – Nachrichtentechniker in einer großen Firma. Die zweite war, ich mache das mit dem Ziel, irgendwann an der Schule zu unterrichten. Die dritte war, mein Hobby zum Beruf zu machen. Das ist es dann geworden.

Wie sind Sie auf Christian Baha gekommen?

Als Student habe ich ein Softwareprogramm entwickelt, das die Kurse mittels Decoders vom ORF-Teletext automatisch in den PC einliest, um damit technische Analyse zur Aktienauswahl zu betreiben. Das gab es noch nicht in dieser Form. Christian Baha hatte damals bereits eine kleine Brokerfirma und hat genau so eine Software gesucht. So entstand 1992 das erste Start-up, und wir konnten in zwei Jahren über 800 Kunden gewinnen. 1995 haben wir mit Superfund, unserem zweiten Start-up, begonnen.

Zu Superfund gab es immer wieder auch negative Schlagzeilen. Wie ging es Ihnen damit?

Es gibt immer Zyklen. Man müsste sich wundern, wenn immer nur positiv berichtet wird. Natürlich gibt es bei so einem Investment auch Kursschwankungen. Das ist ganz normal und gehört dazu.

In den Neunzigerjahren war eine Hochstimmung an den Börsen. Hat es Sie überrascht, als der Boom 2001 und dann noch einmal 2008 abgerissen ist?

Überrascht hat es mich nicht. Wenn man sich die vergangenen 100 Jahre ansieht, sieht man, dass das immer wieder vorkommt. Es tut gut, eine gewisse Distanz zu bewahren und sich nicht emotional hineinziehen zu lassen.

Während der Krise konnten Sie diese Distanz wahren?

Ich habe mich bemüht. Die erste Reaktion ist, dass man nichts verlieren will. Aber wenn man sich bewusst ist, dass jeder Verlust zugleich ein Gewinn ist, nämlich ein Gewinn an Erfahrung, ist das die Chance für Weiterentwicklung.

Brauchen Sie das, was Sie bei Superfund gelernt haben, auch für Ihr Restaurant?

Absolut. Ein wichtiges Prinzip beim Investieren besteht darin, dass man die Dinge, die gut laufen, laufen lässt, und die Dinge, die nicht gut laufen, beendet. Risikomanagement ist wichtig, man sollte nicht alles auf eine Karte setzen, sondern breit streuen. Deswegen betreibe ich nicht nur vegetarische Restaurants. Ein anderes Thema, das ich sehr spannend finde, ist Bitcoin (virtuelle Währung, Anm.).

Was finden Sie am Thema Bitcoin so spannend?

Ich glaube, das ist seit 1989, als das Internet erfunden wurde, die wichtigste Erfindung auf dem Planeten. Über das Internet konnte man bisher nur Informationen vermitteln, aber man konnte nicht Energie vermitteln, also Geld oder Sachwerte. Das ist möglich mit Bitcoin. Damit werden sich alle Branchen neu erfinden lassen. Es gibt zum Beispiel eine Suchmaschine namens Search-Trade, da wird man für die Suchanfragen, die man tätigt und mit denen man auch eine Information hergibt, in Bitcoin bezahlt.

Kann man bei Ihnen mit Bitcoin zahlen?

Ja. Man kann hier sogar Bitcoin einkaufen.

Tun das viele?

Ein paar schon. Tendenz steigend.

Kam es für Sie nie infrage auszusteigen und sich auf eine Insel zurückzuziehen, statt ein neues Unternehmen zu gründen?

Ich bin generell für Parallelität, ich besuche auch gern ab und zu eine einsame Insel. Aber das allein ist zu wenig. Auf Dauer wird man, glaube ich, nicht glücklich damit. Wenn jemand das Bedürfnis hat, nichts mehr zu machen, hat er vorher vielleicht zu viel gemacht und zu wenig Pausen eingelegt. Man kann das aber im Kleinen jeden Tag machen, meditieren, seine innere Stimme befragen und Ruhepausen in seinen Alltag integrieren.

Würden Sie es als falsch empfinden, wenn jemand, der viel Vermögen hat, dieses ausschließlich für sich ausgibt?

Nein. Denn wenn er ein Auto kauft, dann bezahlt er Leute, die das Auto hergestellt haben. Oder wenn er sich einen tollen Koch leistet, dann hat der Koch wieder ein Gehalt. Wir sind immer alle verbunden.

Welche Rolle spielt Geld, wenn man genug davon hat?

Ob man genug hat, ist eine Frage der Betrachtungsweise. Österreich ist eines der reichsten Länder auf diesem Planeten, trotzdem würden viele Österreicher sagen, sie haben zu wenig Geld. Global betrachtet ist das nicht richtig. Wenn man glaubt, zu wenig zu haben, wird man auch zu wenig haben. Und wenn man glaubt, genug zu haben, wird man auch genug haben. Die materielle Welt hat die Tendenz, dem zu folgen, was in einem ist. [ Jenis ]

ZUR PERSON

Christian Halper (*1969) ist Gastronom, Mitgründer der Investmentgesellschaft Superfund und Multimillionär. Nach dem Nachrichtentechnikstudium schrieb er Software-Programme und gründete gemeinsam mit Christian Baha Superfund. 2010 verkaufte er seine Anteile an Baha und sperrte vegetarische Restaurants auf, darunter das Tian. Halper beschäftigt sich auch mit Esoterik und der virtuellen Währung Bitcoin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2016)

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