Zahlen mit Handy: Skepsis überwiegt

Die Österreicher lieben Bares und ihre Bankomatkarte. Eine bargeldlose Gesellschaft ist für sie Utopie.

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(c) Clemens Fabry

Wien. Angeblich arbeitet Apple intensiv an einem eigenen Zahldienst, der über den Fingerabdruckscanner des aktuellen iPhone und die bei iTunes hinterlegte Kreditkarte funktionieren soll. Doch in Österreich würde das US-Unternehmen mit einem „iMoney“ vor allem auf eines stoßen: auf Skepsis. Laut einer Studie lieben die Österreicher nämlich Bargeld und Bankomatkarte, akzeptieren gerade noch eine Kreditkarte, aber lehnen schon das Zahlen mit Handy ab – und den Traum von der bargeldlosen Gesellschaft sowieso.

82Prozent von 1021 Personen im Alter von 14 bis 69 Jahren, die im Herbst 2013 von der Agentur marketagent.com befragt wurden, halten eine bargeldlose Gesellschaft für eine Fiktion. Nur 18Prozent halten sie für möglich, und das frühestens 2033.

Das bevorzugte Zahlungsmittel für den täglichen Einkauf ist die Bankomatkarte (52,5Prozent), gefolgt von Bargeld (34,4Prozent) und von der Kreditkarte (8,3Prozent). Nur 0,1Prozent nutzen bereits Handy-Payment, für 62,7Prozent ist es schlicht nicht vorstellbar, mit dem Mobiltelefon zu bezahlen.

Die Diskussion um Big Data und die NSA dürfte wesentlich zur Ablehnung beitragen. Als größte Sorge bei einer bargeldlosen Gesellschaft sehen die Befragten neben der „digitalen Kriminalität“ (71,6Prozent) und „keiner Bezahlmöglichkeit bei Verlust der Karte/des Passworts“ (68,4Prozent) den Überwachungsstaat (66,6Prozent). Die Anonymität nennen 56,9Prozent als zweitgrößten Vorteil von Bargeld (an erster Stelle steht die Akzeptanz mit 68,3Prozent).

 

Hoffen auf Google und Apple

Auch die österreichischen Banken selbst bleiben beim Schritt hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft, die in manchen Regionen Skandinaviens bereits Realität ist, zurückhaltend. Laut Umfrage von Emotionbanking wollen sie in den kommenden Jahren vor allem in den Ausbau von Bankomaten und in die Selbstüberweisung mit SB-Geräten investieren. Hier glauben 132 befragte Bankmanager an Steigerungsraten von 36Prozent, das größte Potenzial hätten Online- und Handy-Überweisungen.

Beim Vorantreiben von mobilen, bargeldlosen Zahlungsmethoden verlassen sich Banker auf andere: Sie glauben, dass innovative Lösungen von Google, Apple oder Microsoft kommen. (dor/l.r.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2014)

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