Tricks, um die Kreditkosten niedrig zu halten

Billig sind die Kredite nicht mehr zu haben. Die noch schlechtere Nachricht: Sie werden bald deutlich teurer, weil die Zinsen steigen. Man kann die Kosten aber reduzieren.

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Wien. Billig sind Kredite schon jetzt nicht wirklich. Eines ist aber auch klar: So billig wie jetzt wird man sie für längere Zeit nicht mehr bekommen. Deswegen, weil die Zinsen ansteigen.

Wer einen Kredit braucht, sollte sich nicht mehr lange damit Zeit lassen. Und jetzt schon die nötigen Vorkehrungen treffen, um die Kosten gering zu halten.

Viele Experten empfehlen, dass man jetzt noch zu einem Fixzins-Kredit greifen sollte. Damit hat man seine Zinsen etwa für zehn Jahre abgesichert und muss sich über das steigende Zinsniveau keine Gedanken vorerst machen. Diese Sicherheit kostet aber. Man kann die Zinsen für einen Hypothekarkredit (Kreditsumme: 100.000 Euro, 20-jährige Laufzeit) die ersten zehn Jahre mit einer Fixzinsvereinbarung absichern. Bei der Raiffeisenbank NÖ-Wien würde man somit für die erste Dekade effektiv 4,8 Prozent an Zinsen zahlen (diese Angabe gilt für einen 30-jährigen Angestellten mit guter Bonität). In diesem effektiven Zinssatz sind die Bearbeitungsgebühren schon inkludiert. Bei der Oberbank zahlt man mehr, hier beträgt der effektive Zinssatz für die Fix-Zinsvereinbarung fast 5,7 Prozent.

 

Längerfristige Zinssätze sind jetzt besser

Bei den variablen Krediten sind die Zinssätze niedriger. Bei der Bawag, die hier zu den günstigsten Anbietern zählt, zahlt man beispielsweise effektiv 3,2 Prozent Zinsen. Die Zinsen bei variablen Darlehen sind jedoch an einen Basis-Zinssatz gebunden, etwa an den europäischen Referenzzinssatz Euribor. Der Drei-Monats-Euribor ist aber seit Jahresbeginn um 40 Prozent gestiegen. Und er wird weiter zulegen, weil er Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank tendenziell vorwegnimmt.

Jene, die sich einen (noch relativ billigen) Kredit holen möchten, sollten einige Vorbereitungen treffen:
• Wichtig ist etwa die Wahl des Basis-Zinssatzes, an den der Kredit dann gebunden ist. Der Zwölf-Monats-Euribor notiert derzeit bei 2,2 Prozent, der Ein-Monats-Euribor bei nur 1,2 Prozent. Trotzdem sollte man sich für Ersteren entscheiden. „In einem Umfeld, in dem die Zinsen steigen, zieht der Ein-Monats-Euribor schneller an. Man sollte besser auf längerfristige Zinssätze setzen“, sagt der Wiener Finanzierungsexperte Johann Massenbauer.

 

Aufschlag ist verhandelbar

• Othmar Seidl vom Finanzzentrum Krems rät den Konsumenten auch, dass sie nur einfache und nachvollziehbare Konstrukte akzeptieren sollten. Also keine Kredite, deren Basis-Zinssatz sich aus mehreren Kennzahlen zusammensetzt. Bei einem einfachen Darlehen dagegen ergeben sich die Kreditkosten beispielsweise aus dem Euribor plus Aufschlag (daran verdienen die Banken bei den Krediten).
• Bei der Höhe des Aufschlags spielt die Bonität des Kunden eine Rolle. Dieser Aufschlag ist allerdings verhandelbar. Es gibt für Konsumenten einige Richtwerte: Liegt die Belehnung unter 70 Prozent (wenn man ein Haus um 100.000 Euro kauft und 30.000 Euro selbst in cash hat, beträgt die Belehnungsquote 70 Prozent), sollte der Aufschlag nicht höher als ein Prozent sein. Bei einer Belehnungsquote von 80 Prozent muss man mit 1,25 Prozent rechnen. Einen Aufschlag von mindestens 1,5 Prozent werden die Banken bei einer Belehnungsquote von über 80 Prozent verlangen. Massenbauer: „Wenn sich die Hausbank auf derartige Aufschläge nicht einlässt, sollte man sie wechseln.“ Die Bawag etwa halte sich daran.

Die Banken überprüfen die Bonität des Kunden, und zwar, indem sie auf Datenbanken zurückgreifen, die eigens von den Kreditinstituten angelegt werden. Darin kommen jene Kunden vor, die notorisch ihr Konto überziehen. Oft weiß man gar nicht, ob man in einer solchen Datenbank aufscheint. Man kann aber Auskunft zu den eigenen Daten verlangen. Dazu muss man entsprechende Formulare ausfüllen, diese sind auf der Homepage der Arge Daten (www.argedaten.at) verfügbar. Es gibt auch eigene Listen, die von Kreditschützern geführt werden, etwa vom Kreditschutzverband. Auf dieser Liste steht man, wenn man die Handyrechnung zu spät bezahlt hat. Von einer solchen Liste kann man sich löschen lassen.
• Lästig bei den Krediten sind die Nebengebühren, vor allem die Bearbeitungsgebühren. Die belaufen sich auf ein bis vier Prozent der Kreditsumme. Kunden mit guter Bonität sollten versuchen, sie auf ein Prozent nach unten zu verhandeln. Ganz ohne Bearbeitungsgebühren kommt man nur in sehr seltenen Fällen davon. Der Kreditnehmer sollte auch aushandeln, dass er den Vertrag auflösen und das Darlehen auch vorzeitig tilgen kann. Die Institute verlangen dafür „Strafzahlungen“. „Bei variablen Krediten sollte man keine Strafgebühren akzeptieren“, so Massenbauer

Tipp 1

Berater. Wer kein Verhandlungsgeschick hat, sollte einen Berater bei den Kreditverhandlungen hinzuziehen. Vor allem bei den Aufschlägen und Bearbeitungsgebühren kann man verhandeln. Bei einem 100.000-Euro-Kredit bedeutet ein niedrigerer Aufschlag von 0,5 Prozentpunkten eine geringere Belastung von rund 5000 Euro in zehn Jahren.

Tipp 2

Nebenkosten reduzieren. Lästig sind bei den Krediten auch die hohen Nebengebühren. Das betrifft vor allem die Bearbeitungsgebühren, die in der Regel zwischen ein und vier Prozent der Kreditsumme ausmachen. Kreditnehmer mit guter Bonität können diese Gebühr auf mindestens ein Prozent nach unten verhandeln.

Tipp 3

Zinssatz. Variable Kredite sind an Referenzzinssätzen gebunden, etwa an einen Euribor-Zinssatz. Die Kreditnehmer sollten aber jetzt besser auf längerfristige Zinssätze setzen, etwa auf den Zwölf-Monats-Euribor. Denn das Zinsniveau steigt. In diesem Umfeld ziehen kurzfristige Sätze (etwa der Ein-Monats-Euribor) deutlich schneller an.

Tipp 4

Alternative. Fixzins-Kredite sind bereits teuer. Wer bei variablen Darlehen sehr stark steigende Zinsen befürchtet, könnte Bauspardarlehen bevorzugen. Zwar liegt die monatliche Belastung derzeit etwas höher, es gibt aber eine Zinsobergrenze von sechs Prozent ohne zusätzliche Kosten. Bei normalen Darlehen müsste man (teure) Zinscaps dazukaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)

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