AUVA-Auflösung: Arbeitsunfallversicherungen gehören auf den freien Markt

Morgenglosse Jedes Unternehmen sollte für seine Mitarbeiter die Versicherungsbeiträge zahlen, die dem Risiko der Tätigkeit entsprechen.

So manch einer fragt sich vielleicht, warum sich in der Causa AUVA die Wirtschaftskammer bisher eher zurückhält und sich nicht offen für ihre Auflösung ausspricht – was für einen Arbeitgebervertreter doch eigentlich naheliegend wäre. Nun, das hat schon seinen Grund, nämlich die Sorge vor ungeklärten Haftungsfragen, sollte die AUVA tatsächlich zerschlagen werden. Denn sie ist es, die nach Arbeitsunfällen auch für Folgeschäden haftet, also bei einer schweren Verletzung beispielsweise eine jahrelange Reha bezahlen muss. Was dabei nicht ganz fair ist: Unterschiedliche Berufsgruppen haben unterschiedliche Unfallrisiken. Die Chancen, dass sich ein Journalist während der Arbeit verletzt und im Rollstuhl landet, sind für gewöhnlich geringer als bei einem, sagen wir, Bauarbeiter. Dennoch zahlen beide Dienstgeber dieselbe Summe an die AUVA. Ohne AUVA müssten zwangsläufig die Arbeitgeber haften und ihre Angestellten zusätzlich gegen Arbeitsunfälle versichern. Und so sollte es ja eigentlich auch sein. Arbeitsunfallversicherungen gehören auf den freien Markt. Damit sich die Versicherungsbeiträge nach dem jeweiligen Risiko richten. Ein Bauunternehmen müsste dann zwar mehr zahlen als ein Medienunternehmen, aber immer noch weniger als derzeit an die AUVA.

Das ist also ein weiterer von nicht wenigen Punkten, die für die Auflösung der AUVA sprechen. Und darauf wird es irgendwann auch hinauslaufen. Vorher muss aber geklärt werden, was aus ihren Einrichtungen wird, denn verzichten kann man auf sie mangels Alternativen nicht, weswegen es durchaus verständlich ist, dass der Betriebsrat des Unfallkrankenhauses Meidling heute um acht Uhr eine öffentliche Betriebsversammlung inklusive Menschenkette abhält, um sich für den Erhalt des Krankenhauses einzusetzen.

Ein erster Schritt wäre einmal damit getan, mit den Drohgebärden – sowohl seitens der Regierung als auch seitens der Gewerkschaften bzw. der Ärztekammer – aufzuhören und eine geordnete Reform des Versicherungssystems einzuleiten. Deren Umsetzung würde schon ein paar Jahre in Anspruch nehmen. So ist das eben nach jahrzehntelangen Versäumnissen, die zu verhärteten Fronten zwischen Bund, Ländern und Versicherungen geführt haben.

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