Blattlinie

Russische Revolution

Wie Anna Thalhammer die Republik seit Wochen auf Trab hält und auch die Planungen für die heutige Ausgabe der „Presse am Sonntag“ über den Haufen geworfen hat.

Vor 100 Jahren, am 7. November 1917, riss ein gewisser Wladimir Iljitsch Uljanow mit ein paar Hundert Getreuen die Macht in St. Petersburg, das damals Petrograd hieß, an sich. Der Rest ist Weltgeschichte. Anlass genug, der Russischen Revolution eine Schwerpunktausgabe zu widmen.

Ursprünglich war Lenin auch als Coverboy geplant. Doch dann funkte Anna Thalhammer dazwischen und fegte mit ihren Enthüllungen über die Belästigungsvorwürfe gegen Peter Pilz sowohl den Aufmacher als auch das Inhaltsverzeichnis weg. Keine andere Journalistin hat das Land in den vergangenen Wochen dermaßen bewegt wie Thalhammer: Erst brachte sie die schmutzigen Facebook-Methoden im SPÖ-Wahlkampf ans Licht, dann einen der Dirty Campaigner, nämlich Peter Puller, zum Reden, was wiederum die ÖVP ins Zwielicht setzte. Zwischendurch fühlte die akribische Rechercheurin der Lobbyarbeit von Efgani Dönmez auf den Zahn. Und diese Woche erst deckte sie auf, dass die Stadt Wien 3000 Sozialwohnungen an einen privaten Investor verscherbeln könnte. In der „Presse“ hat sich die mutige Kollegin binnen kürzester Zeit einen Sonderstatus als Spezialbeauftragte für besonders heikle Fälle erarbeitet. Man will ja keine Entscheidung einer ehrwürdigen Jury präjudizieren, aber für uns ist Anna Thalhammer schon jetzt Journalistin des Jahres.

Der Revolutionsschwerpunkt sei Ihnen auch ohne Cover ans Herz gelegt. Die Initiative dafür stammt von Jutta Sommerbauer, die nun für einige Zeit aus Moskau berichten wird. Sie hat gleich drei Beiträge selbst beigesteuert: eine Analyse über Putins schwierigen Umgang mit dem Revolutionsjahr, eine Reportage über das Haus der Nomenklatur an der Moskwa sowie eine komplette Bücherseite. Duygu Özkan ging den Spuren der Revolution in Wien nach, Kunstkritikerin Almuth Spiegler der russischen Avantgarde und Günther Haller der Frage, wie österreichische Zeitgenossen den Umsturz 1917 damals bewerteten. Edi Steiner bat einen Nachfahren der Zarenfamilie vors Mikrofon und Anne-Catherine Simon den deutschen Historiker Gerd Koenen.

Ein volles Revolutionsprogramm also, dazu noch Interviews mit Christian Kern und dem Bestseller-Autor Robert Harris. Und der Rücktritt von Pilz.

christian.ultsch@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2017)

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