Blattlinie: Hausinterne Ratingagentur

Von scharfen und weniger scharfen Bremsen, unserer hausinternen Ratingagentur und Grund zum Stolzsein.

Erstaunlich, wie aktuelle Ereignisse neue Begriffe in die Massenmedien und damit ins öffentliche Bewusstsein katapultieren. Schuldenbremsen, Ratingagenturen und ein Triple A gehören längst zum allgemeinen Sprachgebrauch. Die erste soll Österreich nun auch bekommen, was wir gut finden, auch wenn wir der Meinung sind, dass wir mit scharf eingestellten Bremsen viel sicherer unterwegs sind. Vor allem die Kleinen, hinten im Kindersitz.

Michael Spindelegger, Chef der einstigen Volkspartei, meinte in dieser Woche nicht unwitzig, dass die Analysten der Ratingagenturen nicht wie österreichische Journalisten seien. Er verstand das vermutlich als Kompliment, denn er meinte, dass die Medien der Politik notorisch misstrauen – etwa wenn sie mehr Ausgabendisziplin verspricht. Das glauben wir nicht: Die Ratingagenturen sind ganz sicher härter und skeptischer als die Masse der veröffentlichten Meinung. Aber ohne Optimismus wäre es in der Politik vermutlich schwer. Unsere Chefanalysten Franz Schellhorn und Josef Urschitz sehen das auf jeden Fall ein bisschen anders. Uns wird von Politikern gerne vorgeworfen, dass wir nie loben, alles nur schwarzsehen. Da ist was dran, aber wenn die letzte Hoffnung auf Reformen Faymann und Spindelegger heißt, befinden wir uns in einer Ausnahmesituation. Höflich formuliert.

Zum Schluss noch ein wenig Eigen-PR: Beim alljährlichen Newspaper-Award haben wir mit vier Ausgaben Auszeichnungen für die Gestaltung geholt. Dabei war eine Ausgabe der „Presse am Sonntag“ mit dem ernsten Cover eines Alzheimer-Patienten und die traditionelle Weihnachtsausgabe, mit der der Künstler Lukas Pusch das Verhältnis zwischen Christentum und Islam thematisierte. Diese nicht unprovokante Ausgabe hatte auch intern für Debatten gesorgt. Auf den Preis kann Michael Fleischhacker daher besonders stolz sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2011)

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