Pax Romana und Pax Christiana

14 n. Chr., ganz Galiläa ist von den Römern besetzt. Ganz Galiläa? Nein! In einem kleinen Dorf...

Gaius Octavius Augustus starb im vierzehnten Jahr christlicher Zeitrechnung, vor bald 2000 Jahren. Seinen Ruhm als erster römischer Kaiser hat er nicht zuletzt seiner Heeresreform zu verdanken: Er wandelte die aus Kleinbauern rekrutierte römische Volksmiliz in ein straff durchorganisiertes Berufsheer um. Die römische Militärmacht war nun von kaum zu bezwingender Durchschlagskraft.

Im Jahr 15 v. Chr. sandte Augustus seinen Stiefsohn Drusus im Alpenfeldzug über den Brenner und verleibte dem Imperium auch den östlichen Alpenraum ein – nicht ohne eine markante Spur der Zerstörung zu hinterlassen. Die Lehre vom gerechten Krieg jedoch und religiöse Kriegsbräuche erlaubten Augustus, seine Expansionspolitik unter dem Anschein gerechter, friedlicher Gesinnung voranzutreiben, im Bewusstsein, er genieße die Zustimmung der Götter.

Zwei Jahre nach dem Alpenfeldzug widmete der Senat dem Augustus die Ara Pacis, eine monumentale Darstellung seiner Friedenspolitik. Nicht von ungefähr machte die Ara Pacis einen besonderen Eindruck auf Mussolini, der die Reste des überbauten Altars unter schwierigen Bedingungen bergen ließ, um sie in imperialistischen Propagandaausstellungen zu präsentieren.

Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht den Frieden, wie die Welt ihn gibt...

Johannes 14,27

Wir befinden uns im Jahre 14 n. Chr. Ganz Galiläa ist von den Römern besetzt... Ganz Galiläa? Nein! In einem kleinen Dorf beginnt ein jugendlicher Galiläer inneren Widerstand zu leisten. Die innere Freiheit dieses Jugendlichen entwickelt eine Anziehungskraft, die die Römer schließlich vermuten lässt, dieser Jesus habe sich als „König der Juden“ aufgespielt – ein Affront gegen den großen Kaiser Tiberius.

Als Jesus hingerichtet wird, ist er aus römischer Sicht nur einer von vielen kleinen Störenfrieden am Rand des Reiches, die mit einiger Regelmäßigkeit öffentlich hinzurichten sind: demonstrative friedenserhaltende Maßnahmen.

Einem solchen Frieden, hinter dem sich eine Machtideologie verbirgt, setzt Jesus nach dem Johannesevangelium „seinen Frieden“ entgegen, den er seinen Freunden hinterlassen möchte: eine innere Erfahrung, die Jesus aus seiner Gottesbeziehung schöpft. Friede ist für ihn ein göttliches Geschenk, das mit starken persönlichen Beziehungen verbunden ist, wie es Psalm 85 mit einmaliger Kraft zum Ausdruck bringt: „Ich will hören, was Gott, der Herr, spricht: Ja, er spricht Frieden zu seinem Volk und zu seinen Frommen... Verbundenheit und Treue begegnen einander, Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“

Seinen Freunden blieb Jesus als Mensch in Erinnerung, der seinen Frieden gefunden hatte, obwohl sich das System gegen ihn wandte, um ihn zu vernichten. Der scheinbar Unwichtige wurde auf unscheinbare Weise wichtig. Er entfaltete eine größere Wirkung als jeder römische Kaiser.

Warum? Vielleicht auch deshalb, weil die Sehnsucht nach dem Frieden, den er gefunden hat, bis heute weiterlebt.

Bimail steht für Bibelmail, ein wöchentliches Rundschreiben des Teams um Pater Georg Sporschill, adressiert an Führungskräfte. Darin werden Lehren aus der Bibel auf das Leben von heute umgelegt.

debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2013)

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